„Einige Gedanken über die Langhaar Whippets“ [von 1996]

„Einige Gedanken über die Langhaar Whippets“ [von 1996]

Im Jahre 1996 hielt Dr. Charles E. Billings einen Vortrag auf dem Internationalen Whippet Kongress. Er sprach dort über seine Ansichten zu den langhaarigen Hunden von Walter Wheeler und ihre Auswirkungen auf die Whippet-Welt. Heute, über 20 Jahre später, haben seine Worte kaum an Bedeutung verloren. Darum habe ich mich bemüht, seinen Vortrag ins Deutsche zu übersetzen.

Wer war Dr. Charles E. Billings überhaupt?

Dr. Charles E. Billings (1929 – 2010) war Professor für Präventivmedizin an der Ohio State University. 1956 kaufte er seinen ersten Whippet aus England und züchtete unter dem Kennelnamen Flyalong hauptsächlich mit Importen und Pennyworth-Whippets. Ab 1979 war er Richter für Whippets und später auch Greyhounds. Er war Mitglied im Vorstand des American Whippet Club und leitete 1982 die Untersuchung über die „Langhaar Whippets“, ebenso wie auch den Ausschuss, der 1983 den Whippet-Standard überarbeitete.

Besonders erstaunlich finde ich wie Dr. Billings, trotz der damals sehr angespannten Lage, so diplomatisch und wohlwollend über Wheeler’s Hunde berichtete. Immer wieder betonte er, dass er kein Problem habe mit den langhaarigen Hunde selbst, deren Besitzern oder generell Wheeler’s Zuchtexperiment. Jedoch war es für ihn und andere Whippet-Leute ein großes Problem, dass diese Hunde als „Langhaar Whippet“ bezeichnet und beworben wurden.

Einige Gedanken über die „Langhaar“ Whippets

Von Charles E. Billings, Flyalong Whippets
vorgetragen auf dem Internationalen Whippet Kongress, Burlington, Vermont, 1996

Im Jahr 1982 wurde ich gebeten einen Ausschuss des American Whippet Club zur Untersuchung des Zuchtexperimentes von Walter Wheeler zu leiten. Herr Wheeler behauptete, langhaarige Whippets durch die selektive Inzucht von Hunden mit einem lange unterdrückten rezessiven Langhaar-Gen hervorzubringen. Ich will nicht im Detail über die langwierige Verfahrensweise sprechen, jedoch ist zu sagen, dass der Ausschuss unter anderem die Meinung der 36 erfahrensten Züchter in den USA und England einholte. Die Erfahrungen einiger dieser Züchter reichen zurück bis fast zum Beginn dieses Jahrhunderts. Kein Züchter hatten jemals einen Whippet mit langem, seidigem Fell besessen, gezüchtet oder auch nur gesehen. Obwohl mehrere rauhaarige Whippets gesehen und gezüchtet hatten, eine dominante genetische Variante, die nach dem 2. Weltkrieg ausgestorben ist. Unser Ausschuss fand keine Beweise dafür, dass das rezessive Langhaar-Gen beim Whippet vorhanden ist oder jemals war. Wir kamen zu dem Schluss, dass, ganz gleich wie diese Tiere entstanden sind, sie sich in vielerlei Aspekten, nicht nur aufgrund des langen Fells, vom bekannten Whippet unterscheiden und deshalb als völlig getrennte neue Rasse betrachtet werden sollten. Nach Erhalt unseres Abschlussberichtes und der Dokumentation führte der American Kennel Club eine unabhängige Nachforschung durch, in deren Folge eine große Anzahl von Hunden und Würfen aus dem Zuchtbuch und Register gelöscht wurden.

Trotz der Entscheidung und den Maßnahmen des American Kennel Club setzte Herr Wheeler, gemeinsam mit einer Reihe von Gleichgesinnten, sein Experiment fort. Er und andere betreiben Werbung und bieten die Hunde zum Kauf an. Die sogenannten „Langhaar Whippets“ erscheinen nun auf Ausstellungen für seltene Rassen und werden ausführlich im Buch „Celebration of Rare Breeds“ besprochen. Einzelne Exemplare tauchen gelegentlich bei Wettkämpfen in diesem Land auf und einige wurden exportiert.

In der kurzen Zeit, die ich habe, will ich zwei Dinge tun. Zunächst werde ich Ihnen einige Fotos zeigen, die während unserer Untersuchung entstanden sind. Ich möchte so deutlich wie ich kann darauf hinweisen, welches meiner Meinung nach die fehlerhaften Voraussetzungen sind um dieses Blutexperiment fortzuführen. Zweitens möchte ich diskutieren, welchen Ausweg die organisierte Whippet-Gemeinde für dieses Problem sieht. Denn solange diese Hunde „Whippets“ genannt werden gibt es ein Problem.

Lassen Sie mich Ihnen einige Fotos zeigen. Der Fairness halber möchte ich sagen, dass diese Fotos vor 15 Jahren, im Jahr 1981 aufgenommen wurden. Neuere Fotos, die veröffentlicht wurden lassen vermuten, dass zumindest einige dieser Hunde inzwischen einheitlicher im Typ sind. Alle Hunde, die ich Ihnen zeigen werde wurden mir als reinrassige Whippets vorgestellt, als Nachkommen von registrierten Hunden aus nachweislich reinrassigen Blutlinien. Die vermeintlichen Ahnentafeln dieser Hunde zeigten unglaublich enge Linienzucht ausgehend von einer sehr kleinen Anzahl Hunden. Es ist bekannt, dass eine sehr umfangreiche Ausmerzung von Würfen stattfand, zum Teil wegen besonders schwerer genetischer Defekte und Fehlbildungen.
Ob nachfolgende Generationen dieser Hunde einen einheitlichen Typ hervorbringen ist mir nicht bekannt.

Es gab deutliche Unterschiede bei den Hunden die meine Ehefrau und ich sahen, in Statur, Typ und Größe.
Der kleinste war wohl nicht größer als 28 – 30 cm, der Größte vielleicht 58 – 60 cm. Der Artikel „Rare Breeds“ besagt, dass auch eine Miniaturvariante gezüchtet wurde.

In einigen veröffentlichten Artikeln habe ich gelesen, dass die Liebhaber dieser Hunde „Langhaar“ und „Rauhaar“ in einen Topf werfen. Rauhaarige Whippets konnten sehr leicht (hauptsächlich für den Rennsport und Coursing) gezüchtet werden, da das Gen für raues Fell dominant ist. Langhaarige Hunden dagegen konnten sich nur äußerst schwierig entwickeln und, soweit ich weiß, nur bei einer Person. Herr Wheeler zitiert alte Dokumente, um aufzuzeigen, dass eine langhaarige Whippet-Variante existierte und benennt Züchter, die ebenfalls langhaarige Whippets gezüchtet haben sollen (er erklärte, dass er erst durch Nachforschungen dieser Blutlinien in der Lage war seine eigene Zucht zu beginnen). Jedoch bestätigte keiner dieser Züchter seine Behauptungen und keiner der vielen Züchter, mit denen ich gesprochen habe, hat je einen solchen Hund gesehen oder davon gehört.

Als Ursprung seiner Zucht gab Herr Wheeler die Hündin Eng. Am. Ch. Hillgarth Shot Silk of Pennyworth an.
Frau Lowe, deren Krankheit sie davon abhielt heute hier zu sein, betreibt seit 30 Jahren Linienzucht nach dem Vater und der Mutter von Shot Silk ohne jemals den geringsten Beweis für solches Fell, wie es typisch ist für Wheeler’s Hunde. Frau Sheffield, die Shot Silk gezüchtet hat und Frau Whitwell, die sie zum englischen Champion-Titel ausgestellt hat, erklären beide, dass sie ein ganz normales Whippet-Fell hatte. Es ist einfach nicht möglich ein Gen „neu zu entdecken“, das es niemals gegeben hat.

Die übrigen Argumente bezüglich der langhaarigen Hunde sind nicht von zentraler Bedeutung für die eigentliche Frage. Die einzige zentrale Frage ist, ob diese Hunde reinrassige Whippets sind oder nicht. Vieles deutet darauf hin, dass sie es nicht sind. Aber alle verfügbaren Fakten zeigen, dass, was auch immer sie sind, sie sich so wesentlich und in vielerlei Hinsicht von allen anderen Whippets der Welt unterscheiden. Sowohl von ihren Liebhabern als auch von allen anderen sollte in Betracht gezogen werden, sie als separate und einzigartige Rasse zu betrachten. Nicht als eine Varietät, sondern als eigenständige Rasse.

Als sich der American Kennel Club mit dieser Frage befasste standen noch keine DNA-Tests zur Verfügung. Ich weiß nicht, ob es zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll wäre, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es von den Liebhabern dieser Hunde nicht gewünscht ist. Bisher wurde kein Versuch unternommen die Langhaarigen im American Kennel Club anerkennen zu lassen. Es gibt jedoch immer die Möglichkeit, dass das Zuchtbuch für die Langhaarigen, geführt von der „Longhaired Whippet Association“, vielleicht eines Tages als Unterstützung angeboten wird, um diese Hunde vom American Kennel Club als eigenständige Rasse anerkennen zu lassen.

Verschiedene Werbeanzeigen weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese Hunde aus „kurzhaarigen“ Whippets entstanden sind, also ist es auch umgekehrt möglich. Im ungeheuerlichsten Fall, der mir bekannt ist, erklärte Herr Wheeler (in Dog World, November 1994, Seite 120),

dass einige Züchter die Kurzhaarigen mit den Langhaarigen gekreuzt hatten. Ein Züchter kreuzte eine kurzhaarige Hündin, unverwandt zu den Windsprites (Wheeler’s Zuchtname) mit einem langhaarigen Rüden, der nicht Wheeler gehörte. Da die Hündin selbst kein rezessives Langhaar-Gen trug, waren alle Welpen kurzhaarig. Einer dieser Welpen bekam seinen  Champion-Titel in Rekordgeschwindigkeit und mit nur wenigen Ausstellungen.

Es wäre interessant zu wissen wie die Eltern dieses Hundes registriert wurden, speziell welcher Rüde fälschlicherweise als Vater angegeben wurde.

Ein schwerwiegenderes Problem ist die Haltung von internationalen Organisationen, die eher bereit sind neue Rasse-Varietäten anzuerkennen und weniger sorgfältig Zuchtbücher und Ursprung untersuchen, als der American Kennel Club. Deborah Lawson berichtet in der Februar Ausgabe der Zeitung Dog News, dass der United Kennel Club kürzlich 74 weitere Rassen anerkannt hat! Diese Rassen sind nun berechtigt an Hundeausstellungen teilzunehmen.

Alle Kennelclubs erkennen den Whippet als Rasse an; viele sind jedoch weniger besorgt als der American Kennel Club, wie neue Rassen entstanden sind und eher bereit ein Zuchtbuch ohne kritische Prüfung zu akzeptieren. Das ist der Hauptgrund für die Besorgnis unter den Whippet-Leuten, zusammen mit der Tatsache, dass Herr Wheeler und seine Anhänger sich hartnäckig weigern einen anderen Rassenamen als „Whippet“ zu wählen.

Was kann man dagegen tun? Herr Wheeler ist nicht länger Mitglied des American Whippet Club und soweit ich weiß, auch in keinem anderen Whippet-Club, und ist deshalb außerhalb der Zuständigkeit dieser Zuchtvereine. Jede Person kann überall züchten was er oder sie möchte und kann es benennen wie er oder sie will.

Welche Maßnahmen können Whippet Züchter ergreifen um eine klare Trennung zwischen ihren Whippets und diesen Hunden zu erreichen?

Ich persönlich bin der Ansicht, dass Herr Wheeler durch solche Werbeanzeigen, wie sie oben zitiert wurden, das Konzept der Rassehundezucht in die Irre führt und daher „die besten Interessen des American Kennel Club“ (Artikel XII, Abschnitt 1 der Satzung) schädigt. Herr Wheeler führt weiterhin einen registrierten Zwingernamen, während er Werbeaktivitäten betreibt, die behaupten, dass die langhaarhigen Tiere tatsächlich Whippets sind. Wie bereits erwähnt, kamen sowohl der American Whippet Club als auch der American Kennel Club zu dem Schluss, dass sie wahrscheinlich nicht reinrassig sind und daher nicht als Whippets registriert werden sollten.

Mindestens eine texanische Züchterin bewirbt (und zeigt) sowohl kurzhaarige als auch langhaarige Tiere, von denen sie behauptet, es seien Whippets; Andere Züchter in der Region versuchen dem mit Inseraten zu begegen, die Informationen zu Whippets bieten, die dem AKC-Standard entsprechen. Es ist bekannt, dass mindestens ein renomierter Richter, sowie einige Whippet-Züchter, langhaarige Tiere besitzen. Ich glaube, wir haben viel weniger getan als wir konnten (und sollten, angesichts der Anzahl an AKC-Richtern, die jetzt Ausstellungen unter anderer Schirmherrschaft beurteilen), um zu veröffentlichen, was bekannt (und nicht bekannt) ist über dieses Zuchtexperiment, und zwar mit Literatur die speziell auf AKC-, CKC- und TKC-Richter ausgerichtet ist.

Würde das einen Unterschied machen? Ich glaube, dass zumindest einige AKC-Richter zögern werden, diese Tiere zu beurteilen, wenn sie sich bewusst werden, dass der AKC die Langhaarigen nicht als Rasse anerkennt und sie aus seinem Zuchtbuch gestrichen hat. Ich würde es sicherlich tun.

Jedes Mitglied des AWC ist dafür verantwortlich, diese Tatsache bei Hundezüchtern bekannt zu machen, die in Erwägung ziehen diese Tiere zu kaufen und auszustellen. Es würde mir großes Unbehagen bereiten, einen Whippet auf einer Ausstellung zu zeigen, wo auch diese Tiere gezeigt werden. Und ich habe (und hatte) keine Bedenken, die Veranstalter der Ausstellung wissen zu lassen, warum ich lieber nicht daran teilnehmen wollte. Es sollte beachtet werden, dass unter den AKC-Regeln sogenannte „Langhaar Whippets“ nicht rechtmäßig gezeigt werden können, auch nicht als seltene Rasse, bei oder in Verbindung mit einem AKC-unterstützten Wettkampf oder einer anderen Gelegenheit.

Schließlich glaube ich, dass Whippet-Züchter, die in Zeitschriften wie Dog World werben, überlegen sollten, ob sie die Professionalität solcher Zeitschriften in Frage stellen wollen, wenn diese auch Werbung machen für langhaarige Tiere mit der Bezeichnung „Whippet“. Denn regelmäßige Werbeanzeigen von Herrn Wheeler und der „Longhaired Whippet Association“ waren das beste Mittel überhaupt, um in der Hundewelt Werbung für diese Tiere zu machen.

Ich habe kein Problem damit, dass Herr Wheeler ein Zuchtexperiment durchgeführt hat. Sehr viele Leute haben das getan, und die Zahlt wächst offensichtlich. Ich habe jedoch große Unannehmlichkeiten damit, dass Herr Wheeler behauptet „eine Whippet-Varietät vor dem Aussterben zu retten“, wo doch selbst erfahrenste Züchtern aus den USA oder England nie etwas von der Existenz langhaariger Whippets wussten.

Marry Lowe, für deren Fähigkeiten und Integrität ich den größten Respekt hab, sagte in einem Brief an Dogs in Kanada über die Werbeanzeigen in dieser Zeitschrift im Januar 1994

Vielleicht sind sie kleine attraktive Hunde, jedoch bestimmt keine Whippets und sollten auch nicht als solche beworben werden. Sie sind auch keine seltene Rasse – sie sind in der Tat einfach kleine Lurcher mit eher untypischem, langem und seidigem Fell, bei deren Ursprung der Whippet wahrscheinlich eine Rolle gespielt hat.

Unabhängig davon, wie sie es nennen, ist es unmöglich, aus einem Schweineohr eine Seidenhandtasche zu machen. Seit über 50 Jahren, seit der letzte rauhaarige Whippet eingeschläfert wurde, sind Whippets kurzhaarige Tiere. Whippets sind keine langhaarigen Hunde und langhaarige Hunde sind keine Whippets, ungeachtet ihrer Abstammung.

Sie mögen süß sein, berechtigte Haustiere sind sie mit Sicherheit. Whippets sind sie jedoch nicht.

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