„Lass uns reden, mein Hundezüchter-Freund“

„Lass uns reden, mein Hundezüchter-Freund“

Vor kurzem machte auf Facebook der englische Text einer Züchterin die Runde, der es in sich hat: Über geschlossene Zuchtbücher, verlorene Gene, Erbkrankheiten,  Züchterkollegen und vieles mehr nimmt die Autorin kein Blatt vor den Mund. Und das ist so einfühlend, verständlich und mit klaren Aussichten für die Zukunft, dass der kleine Roman definitiv eine Übersetzung ins Deutsche brauchte.

Originaltext von Alexandra Gav, 19. November 2018
Übersetzt mit freundlicher Genehmigung der Autorin von Benjamin Steigl und Maike Müller

Originaltext: https://www.facebook.com/alexandragav/posts/10156870923964808


Komm mal her, lass uns reden, mein Hundezüchter-Freund. Schenk dir eine Tasse Tee oder Kaffee ein und setz dich auf meine Couch, einen schönen Boxer zu deinen Füßen, einen warmen, winzigen Dackel im Schoß. Lass uns mal reden.

Heute ist mein persönliches besonderes kleines Jubiläum. An diesem Tag gibt es niemals Blumen oder Luftballons, Geschenke oder Partys, aber ich feiere es immer leise in meinem Kopf.

Vor 27 Jahren wurde ich Hundezüchterin. Mein erster Wurf wurde am 19. November 1991 mitten in der Nacht geboren. Es waren neun, aber einer hat es nicht geschafft. Mein Verschulden, mein Fehler. Ich werde in den nächsten Jahren noch viele Fehler machen. Falsche Paarungen, unnötige Kaiserschnitte, schlechte Wahl eines Welpenbesitzers, wir kennen das alle.

Wenn mich jemand an diesem Tag gefragt hätte, warum ich mit der Hundezucht begonnen hab, hätte ich gesagt: “Um die Rasse zu verbessern! Natürlich!” Du verliebst dich in ein erstaunliches Tier, das dir alles gibt, das dein Leben komplett macht, das dich zu einem besseren Menschen macht. Als logische Folge dieser Beziehung verliebst du dich auch in die ganze Rasse und willst nichts weiter als ihr zurückgeben. Deine Leidenschaft wird von der Liebe angeheizt, du bist hier, um großartige Dinge zu tun!

“Um die Rasse zu verbessern! Natürlich!”

Wie sehr ich diese Antwort mittlerweile verabscheue!

Als Hundekenner bist du wohl mit der klassischen Konditionierung von Pawlow vertraut, stimmts? Du läutest mit einer Glocke, gibst dem Hund einen Keks und wiederholst dies mehrmals. Bald beginnt der Hund voller Erwartung zu sabbern, sobald er eine Klingel hört. Sein Körper hat gelernt, dass der Keks kommt, wenn die Glocke läutet. In der Wissenschaft nennt man das klassische Konditionierung. Die Glocke ist der Auslöser, der Speichelfluss die Antwort. Der Hund nimmt sich nicht die Zeit, um zu überprüfen, ob der Keks überhaupt angeboten wird. Trigger-Antwort. Trigger-Antwort. Somit wurde ein neuer Neuronenpfad im Gehirn erstellt.

Unser menschliches Gehirn wird auch durch verschiedene Konditionierungsbedingungen gesteuert, einschließlich der klassischen nach Pawlow. So lernen wir. So schützen wir uns in der großen weiten Welt voller Gefahren.

Eine der ersten Lektionen, welche ein neuer Hundezüchter von der Gesellschaft die ihn umgibt lernt, besteht darin, dass die einzige akzeptable Motivation für die Hundezucht lautet, die Rasse zu verbessern. Der einzige akzeptierte Weg die Rasse zu verbessern, ist durch Verbesserung ihrer Gesundheit, ihres Temperaments und ihres Körperbaus. Bald wird es zu einem Mantra, das jedes Mal wiederholt wird, sobald die Auslöserfrage gestellt wird.

“Warum züchtest du Hunde?” (Auslöser)

“Um die Rasse zu verbessern! Natürlich!” (Antwort)

“Wie verbesserst du die Rasse?” (Auslöser)

“Durch die Verbesserung von Gesundheit, Temperament und Körperbau! Natürlich!” (Antwort)

Genauso wie der Pawlowsche Hund, der nicht nachdenkt, ob der Keks noch da ist, hören Hundezüchter auf, über die Bedeutung der Worte nachzudenken, die sie aussprechen. Ebenfalls denken sie nicht mehr daran ob die gelernte Antwort überhaupt die gestellte Frage beantwortet.

Graben wir mal ein wenig tiefer. Frag einen Züchter einmal, was genau er tut, um die drei Säulen der Rassehundezucht zu verbessern, die jeder für so wichtig hält. Du wirst je nach Erfahrungsstufe des Züchters folgende Aussagen hören: “Oh, ich teste jedes meiner Tiere vor der Zucht nach den neuesten wissenschaftlichen Empfehlungen”, und “Oh, ich treibe Hundesport und verwende nur Tiere, die leistungsfähig sind, um sicherzustellen, dass ihr Temperament stimmt”, und “Oh, wenn ich eine Hündin mit einem kürzeren Schulterblatt habe, wähle ich einen Rüden mit einem korrekten Schulterblatt aus, um sicherzustellen, dass meine nächste Generation einen verbesserten Körperbau hat”. Das Spiel kann man weiter führen bis zum Erbrechen.

Oh mein Gott, wir sind so stolz darauf, zur Spitzenklasse und zur Elite der Hundezüchter zu gehören. Wir tun immer das Richtige und tun es aus den richtigen Gründen! Ganz und gar nicht wie diese schrecklichen anderen Züchter, die noch nicht zum Sabbern konditioniert worden sind, wenn die Glocke läutet.

Ganz schön selbstbewusst mein Freund. Ja? Sicher? Bist du wirklich sicher? Lass uns darüber reden, was wirklich in deinem Herzen ist. Ich werde dich Stück für Stück sezieren, bis ich zu deinem Inneren komme. Der weiche, rohe, ungeschützte Teil von dir, den du niemals zugeben willst, nicht mal für dich selbst.

Nach den ersten 5 – 10 Jahren Rassezucht, sobald dein Neulings Selbstbewusstsein nachlässt und deine rosarote Brille abfällt, stellts du plötzlich fest, zu was für einem stumpfsinnigen Endprodukt du geworden bist.

Deine Seele füllt sich mit stiller, aber absolut furchterregender Angst, wenn du zwei Hunde verpaarst.

Was auf dem Papier großartig aussah, schaute in der Realität viel schlechter aus, als die Hündin den Welpen dann das Leben schenkte. Du hast zwar das kurze Schulterblatt repariert, aber plötzlich ist der Vordermittelfuß völlig daneben. Du hast jahrelang gearbeitet, damit deine Hunde ihre Rute perfekt tragen, aber jetzt haben 30% deiner Hunde ein schiefes Maul. Und hey, ich weiß, dass du die Maske auf dem Gesicht deiner Hündin nur aufgemalt hast. Sie wurde nicht so geboren. Ich weiß auch über die Kreuzband OP Bescheid. Rede dir nur weiter ein, dass “sie einfach falsch gesprungen ist”. Und ich weiß, dass du dich davor fürchtest, dass jemand herausfindet, wie tief du im Dreck steckst und du daraufhin aus dem Elitezüchter Club rausgeschmissen wirst.

Du hast 2000€ für Gesundheitstests ausgegeben und ein Jahr deines Lebens damit verbracht, zwei Ahnentafeln zu studieren. Ganz zu schweigen von den zwei Monaten, in denen du jeden Tag und jede Nacht deine Welpen versorgen musstest, bis zur Erschöpfung. Manchmal hast du sogar vergessen zu duschen oder die eigenen Nägel zu schneiden. Aber jetzt hat dich ein Welpenbesitzer angerufen und gesagt, dass einer deiner Hunde, den du vor drei Jahren verkauft hast, an Krebs stirbt. Weißt du was, sie haben ihre Trauer auch auf Facebook geteilt und dein Erzfeind hat ihren Beitrag gelesen. Du weißt genau, dass er diese Informationen in seinem großen Schmutzhaufen, den er über dich sammelt, abspeichern wird. Und eines Tages wird alles rauskommen, alle deine dreckigen Geheimnisse, und dein Namen sowie dein Ruf wird für immer geschädigt werden.

Du hast mit dem Rüden sowie mit der Hündin die Gebrauchshundeprüfung bestanden, sogar mit ziemlich guten Ergebnissen (hat eh nur vier Jahre anstrengende tägliche Arbeit gekostet, während du dein eigenes Leben schleifen hast lassen, dein Partner hat dich verlassen, und dein Kind wurde drogensüchtig). Doch nun können zwei von den acht Hunden, sobald sie mit ihren Besitzern ins Bauhaus gehen, ihr Geschäft nicht mehr zurückhalten. Du betest, dass die Hunde niemals in die Hundeschule, welche von einem anderen Clubmitglied geleitet wird, gebracht werden. Dieser wird bestimmt nach der Zuchtstätte dieser Hunde fragen und eins und eins zusammenzählen können. Er wird ohne Scham hinter deinem Rücken lästern, bis jeder einzelne deiner Deckrüden nie wieder eine Hündin aus der Nähe sieht.

Lageanomalie des Hodens. Farbflecken. Schlechtes Fell. Offene Schädeldecken. Kuhhessigkeit. Hasenscharten. Krumme Ruten. Gelbe Augen. Plattfüße. Ängstlicher Charakter. Taubheit. Gebissfehlstellung. Epilepsie. Ellbogenfehlstellungen. Hüftfehlstellungen. OCD. DCM. ARVC. IVDD. PRA. DM. JRD. SAS. TNT (das gibt’s gar nicht, ich überprüfe nur, ob du noch aufpasst).

Mein Gott, wenn es dir durch ein Wunder und reines Glück gelingt, all diese Krankheiten zu vermeiden, was ist, wenn dein nächster Wurf nicht besser ist als der letzte? Sicher wird jeder entdecken, dass du die Rasse nicht verbesserst! Du hast im vergangenen Jahr vier Mal Vorzüglich erhalten und in diesem Jahr nur drei gewonnen. Tz-Tz-Tz.

Ist dein Kaffee kalt? Lass mich dir eine neue Tasse einschenken.

Gib es zu. Nachdem du lange genug dabei warst, hast du eine riesige, unaussprechliche Angst in deinem Herzen. Du liebst es zwar zu züchten, aber du fürchtest es auch. Du kannst bei der Planung eines Wurfs nie alles vorhersagen. Und wenn du denkst du hast alles unter Kontrolle, dann wird dir der Wurf das Gegenteil beweisen. Wenn nicht dieser Wurf, dann der nächste. Der Katastrophenfall wird eintreten. Er wird dich so oder so finden.

Weißt du warum Menschen aus so vielen verschiedenen Berufen miteinander auskommen, einander helfen, Gewerkschaften gründen, für ihre Interessen kämpfen, aber Hundezüchter scheinen das absolut nicht zu können? Weißt du warum sich Hundezüchter nichts anderes wünschen, als sich endlosen Streitereien, Mobbing, Skandalen und Hexenjagden zu widmen? Warum genießen Hundezüchter es so, einen von ihnen bloßzustellen und zu ruinieren? Ich sage dir warum.

Drei Wörter:

Angst.

Projektion.

Überkompensation.

Ein Psychologe hätte alle Hände voll zu tun bei einer Hundeausstellung! Sein Kollege, der Psychiater, ebenfalls!

Eine Hundezüchterin ist in ihrem Herzen völlig verängstigt, denn sie hat Angst das Jeder herausfinden wird, dass sie eine Betrügerin und Versagerin ist. Egal wie viel Mühe sie in ihr Zuchtprogramm steckt, sie wird es nie “ganz schaffen”. Die Rasse weigert sich hartnäckig, verbessert zu werden. Sie hat Angst, dass andere entdecken, dass sie die Rasse nicht verbessert und Gesundheit, Temperament und Körperbau nicht verbessert. Ihre Show-Schleifen nutzt sie als Schutzschild gegen die Angriffe der Außenwelt, aber am kommenden Montag hat sie ihr aufgesetztes Selbstbewusstsein wieder verloren. Sollte sie nicht mehr Fortschritt machen und diesen noch schneller erreichen? Sie macht doch alles richtig! Weitere Schleifen bringen vorübergehende Erleichterung.

Der Züchter baut eine Schutzschicht nach der anderen auf, um seinen zarten, verängstigten Kern zu verbergen. Der Kern, der die Wahrheit kennt. Ohne diese Verteidigungsmechanismen zerbröckelt der Züchter langsam, stürzt ab und verbringt den Rest seines leidvollen Lebens in Embryonalstellung unter einer Brücke. Er wimmert: “Ich habe versagt, ich bin gescheitert, ich habe die Rasse nicht verbessert.” Diese Schutzschichten sind das wichtigstes für uns. Wir verbringen unangemessen viel Zeit damit, verschiedene Wege zu finden, um diese zu stärken.

Ein Typ, der Zuchtpolizist, tut dies, indem er unerbittlich auf die Jagd geht und andere an den Pranger stellt. Er möchte, dass sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt, pulverisiert und zu Dreck verarbeitet werden. Er verbringt sein Leben damit, die kleinsten Fehler (egal ob real oder erfunden) in anderen Züchtern und in ihrer Arbeit zu suchen. Er ruft Horrido, sobald sich die Gelegenheit bietet, sich gegen jemanden zu verbünden. Er weiß mit Sicherheit, dass Herr „Von und Zu“ seine Hündin bereits zur ersten Läufigkeit gedeckt hat, dieser geldhungrige Unmensch. Er erzählt allen, dass der mehrfach ausgezeichnete Deckrüde von Frau „Von und Zu“ Hüftdysplasie, Albinismus, Parvo und Flöhe hat, nur um sich darüber zu erfreuen, dass die anderen Vereinsmitglieder sie zu Tränen mobben. Du weißt schon, solange es jemand anderem passiert, passiert es nicht der Zuchtpolizei! Wenn du jedoch einmal genau hinschaust, siehst du, dass sich auf den Wassernäpfen seiner eigenen Hunde bereits eine grüne Schicht gebildet hat, weil er zu sehr damit beschäftigt ist, sich an einer weiteren Hexenjagd in einem Zuchtforum zu beteiligen. Er weiß unterbewusst, dass er durch präventive Angriffe gegen jemand anderen, den Zeitpunkt hinausschiebt, bis er von außen attackiert wird.

Der zweite Typ, der Zucht Guru, tut dies, indem er ein narzisstisches Ego entwickelt. Das ist eine klassische Überkompensation um das Gefühl des unbedeutend seins sowie die Tatsache, dass er ein Betrüger ist, zu unterdrücken. Er sitzt auf seinem hohen Pferd, die Nase nach oben, die Schultern breit. Nur er und er allein weiß, wie man die Dinge richtig macht. Nur er weiß, welche Linien er kreuzen muss, und welche zu vermeiden sind. Er und er allein kennt das genaue Verhältnis zwischen Tibia und Fibula eines Hundes, damit er den perfekten Gang hat. Er und er allein, der allmächtige Guru, weiß, wie man Welpen großzieht und ausbildet, wie man Hunde aufnimmt und füttert und wie man mit der Öffentlichkeit umgeht. Er ist wahrscheinlich ein schrecklicher Ehemann und ein wertloser Vater, doch die Hundewelt ist sein Heiligtum in welcher er sich Selbstverwirklichen kann. Er kämpft mit Zähnen und Nägeln, um in den Bewertungen aufzusteigen und zertrampelt dabei jeden, der ihm in die Quere kommt. Er besticht, er schleimt sich ein, er stiehlt, er lügt. Schau, nun ist er sogar der Präsident des Zuchtvereins! Schau dir an wie er sich bei den Clubtreffen aufplustert. Schau her, nun zieht er sich eine Fliege an und jetzt ist er ein Richter! Er kann anderen sagen, was er von ihren Zuchtbemühungen hält, und sie bezahlen ihn sogar dafür. Schau, nun ist er in Japan eingeladen Hunde zu richten! Bist du schon einmal in Japan gewesen? Nein? Das ist, weil du ein schlechter, schlechter Züchter bist. Dackel dem Guru hinterher, am besten mit Stift und Papier und mach dir detaillierte Notizen. Der Herr Guru wird gerne als Mentor bezeichnet. Er mag es eine Gefolgschaft zu haben. Wenn du ein guter, gehorsamer kleiner Schüler bist, schaffst du es vielleicht in etwa dreißig Jahren, dich an das Level des Gurus anzunähern. Aber Gott bewahre, hinterfrage niemals seine Leistungen in der Hundezucht geschweige denn ob er überhaupt jemals welche hatte. Natürlich war er erfolgreich, aber das ist viele Jahrzehnte her, lange vor deiner Zeit. Oder nicht. Ist das jetzt so wichtig? Du sollst sowieso keinen Richter in Frage stellen.

Das wichtigste was beide Typen gemeinsam haben, ist, dass sie Ihren zerbrechlichen Kern beschützen, indem sie sich selbst anlügen. Denk dir Entschuldigungen und Ausreden aus, warum es dir nicht gelingt, die Rasse zu verbessern, und glaub mit ganzem Herzen an sie. Attackier einfach jeden der an deinen Ausreden zweifelt. Gerissenes Kreuzband? Sie ist nur ausgerutscht und gefallen! Gelbe Augen? Jodmangel im Wasser! Lageanomalie des Hodens? Jeder weiß, dass es aus der Linie des Vaters kommt, nicht von der Hündin. Der Besitzer des Deckrüden hat dich belogen und betrogen und du arme, unschuldige Seele, hast ihm seine schamlosen Lügen abgekauft! Die Hunde sind schüchtern? Die Besitzer hatten natürlich keine Ahnung, wie man einen Hund erzieht und sie haben das von dir perfekt gezüchtete Temperament des Hundes zerstört. Überbiss? Sind wieder die neuen Besitzer schuld, sie haben mit dem Welpen zu viel Zugspiele gemacht und zogen dabei den ganzen Kiefer heraus! Nabelbruch? Die Hündin riss an der Nabelschnur an während der Geburt! Geknickter Schwanz? Eine Wespe flog durch das Fenster und stach den Welpen direkt in den Schwanz! Krebs? Die Besitzer wollten ja nicht die ätherischen Öle verwenden, obwohl du es ihnen mindestens hundertmal gesagt hast. Außerdem, hast du schon einmal diese Hochspannungsleitungen gesehen welche nur einen Kilometer von ihrem Haus entfernt sind? Allergien? Das ist umweltbedingt, nicht genetisch veranlagt! Ein Kind wurde ins Gesicht gebissen? Wir alle wissen, wie diese verdorbenen Millennials ihre noch mehr verdorbene Brut erziehen. Das Kind muss den Hund bestimmt gequält haben! Farbflecken? Versteck den Welpen einfach auf den Wurfbildern, die du stolz auf deiner Website postest. Den schlechten Welpen verkaufst du einfach ohne Papiere an jemanden, der einen billigen Hund sucht und alt genug ist, um kein Konto auf Facebook zu haben.

Verbesserst du jetzt wirklich die Rasse, mein Freund? Sag es mir nicht, bitte nicht. Ich muss es nicht wissen. Stelle dir einfach nur diese Frage und gib dir selber eine ehrliche Antwort. Das ist genug für mich.

Die unangenehme Differenz zwischen deinem Pavlovian-Mantra, das du bereits früh absorbiert hast, und deiner Realität lässt dich in Angst leben, entdeckt zu werden. Du projizierst und überkompensierst nach links und rechts und findest Entschuldigungen für andere und für dich selbst, bis du komplett den Überblick verlierst, was wirklich passiert und was wahr ist und was nicht. Du wirst zu einem Zucht-Guru und zur Zuchtpolizei in einer Person. Dir fehlt jegliche Selbsteinsicht und du schnappst bei Ausstellungen nach den Neulingen und allen anderen. Du verkaufst deine wertvollen Welpen nur mit Kastration- und Sterilisierung-Vereinbarung und mit einem siebenseitigen Vertrag.

Hm? Du bist mit deinem Kaffee fertig und möchtest wissen, ob wir eine Flasche Wein öffnen können? Natürlich können wir das. Lass mich den Korkenzieher holen.

Mein Freund, ich möchte, dass du weißt, dass ich dich liebe. Ich tue es wirklich. Ich bin aus dem gleichen Holz geschnitzt und bin Teil derselben Welt wie du und das seit nunmehr siebenundzwanzig Jahren. Ich weiß nicht womit ich das verdient habe, aber dadurch, dass ich die Hundewelt von innen beobachten durfte, konnte ich Einblicke gewinnen, die im Moment umfangreicher sind als deine. Ich möchte sie nun mit dir teilen, damit du morgen weiser und freier aufwachst, als du heute noch bist. Ich möchte, dass du deine Angst verlierst, die ich jedes Mal in deinen Augen sehe, wenn du mal wieder über andere Züchter lästerst. Ich möchte dir jetzt sagen, warum du die Rasse nicht so verbessern kannst, wie es jeder inklusive dir, für nötig hält.

Denk doch mal nach.

Genau zu dem Zeitpunkt, an dem das Zuchtbuch deiner Rasse geschlossen wurde, wurde auch der Pool der verfügbaren Gene abrupt geschlossen. Seit diesem Tag wurde deine Rasse durch keine neuen Gene bereichert, abgesehen von dieser einen merkwürdigen Mutation. Du arbeitest somit mit genau demselben genetischen Material, wie deine Vorgänger. Du arbeitest mit genau demselben genetischen Material, mit dem auch alle anderen heute arbeiten. Wir stecken somit alle zusammen im selben Sumpf.

Hör genau zu.

Solange die Zuchtbücher geschlossen bleiben ….

….. KANNST. DU. DEINE. RASSE. NICHT. VERBESSERN.

Verschone mich jetzt mit deinem tollwütigen Pawlowschen Gesabbere. Hier nimm dir ein Taschentuch. Trink einen Schluck Wein. Vergiss mal kurz, dass du ein Züchter bist, geh einen Schritt zurück und schau dir unsere Hundewelt als Beobachter von außen an. Dreh mal deine Emotionen ab und schalt den wissenschaftlichen Teil deines Gehirns ein. Ich verspreche dir, dass ich es dir in der einfachsten Sprache und den kürzesten möglichen Sätzen erklären werde, weil ich weiß, dass du gerade unter Schock stehst und die Dinge nicht verstehst. Ich war dort auch einmal!

Die Rasse ist nicht das, was bei dir zuhause wohnt. Es ist nicht das, was du bei einer Hundeausstellung am Wochenende siehst. Es ist kein Bild in einem Buch. Die Rasse umfasst jedes einzelne Mitglied auf der ganzen Welt. Betrachte sie als einen gemeinsamen globalen Genpool.

So, die Zuchtbücher sind also geschlossen. Was nun? Die Genauswahl ist vorbestimmt. Du kannst diese Gene nicht ändern. Du kannst keine neuen einbringen. Alles was du tun kannst, ist die Gene durchzumischen. Von Hund zu Hund, von Zwinger zu Zwinger, von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent. Was auch immer die Vorfahren deiner Rasse in das Zuchtbuch miteingebracht haben, ist alles was dir zur Verfügung steht. Weltweit.

Du könntest vorübergehend einen größeren Anteil an Allelen erhalten, die für eine bessere Schulter verantwortlich sind, als deine Züchterkollegen momentan haben. Vielleicht bekommst du dadurch ein paar Showbändchen mehr, obwohl man ja eigentlich angesichts der aktuellen Trends offenbar keine guten Schultern mehr möchte.

Sie könntest wiederum vorübergehend eine Reihe von Würfen produzieren, die nicht von einer Hüftgelenksdysplasie betroffen sind. Deine Zwingerstatistiken verbessern sich, ebenso steigt dein Welpenabsatz und der Einsatz deines Deckrüdens. Jedoch nur bis du feststellst, dass deine wertvollen Lieblinge mit perfekten Hüften nun an Megaösophagus erkranken.

Du kannst für eine Weile eine Linie züchten mit lauter selbstbewussten Hunden mit super Temperamenten, die dir und allen Menschen Freude bereiten. Bis du es einfach nicht mehr kannst. Mutter Natur ist halt humorvoll!

Insgesamt bringen deine kleinen persönlichen Erfolge der Rasse absolut nichts. Sie hat immer noch die gleichen Gene, mit denen sie angefangen hat. Du wirst kommen, du wirst gehen, als hättest du nie existiert.

Dieser andere Züchter, über den du bei mir eine Stunde lang schlecht geredet hast, den mit einer schrecklichen Krankheit in seinen Linien. Willst du etwas wissen? Lehne dich vor, ich flüstere es dir ins Ohr … DEINE LINIEN HABEN ES AUCH. Du hast es einfach noch nicht herausgefunden.

Was sagst du dazu? Kannst du nicht einfach alle schlechten Gene HERAUSZÜCHTEN und alle guten BEHALTEN?

Nein, das kannst du nicht. Nur wenn deine Postanschrift mit dem Wort “Utopia” endet.

Jedes Mal, wenn du auf ein bestimmtes Merkmal selektierst, zerstörst du einen kleinen Teil deiner Rasse. Wenn du beispielsweise auf schwarze Augen selektierst, vermeidest du alle Hunde mit gelben Augen. Durch den Ausschluss des für gelbe Augen verantwortlichen Gens wirfst du das gesamte Genom der gelbäugigen Hunde in den Papierkorb. Zusammen mit dem Gelb-Augen-Gen entfernst du mit jedem Hund, den du nicht für die Zucht verwendest, 2,8 Milliarden Basenpaare aus dem Genpool der Rasse. Indem du bei der Auswahl der Gleichmäßigkeit des Typs in einem bestimmten Merkmal kompromisslos bist, raubst du der Rasse die anderen Merkmale, die sie einst hatte. Denke daran, wir haben mit einer begrenzten Anzahl von Genen in deiner Rasse begonnen, die von den ersten Hunden vorgegeben wurde, die in das Zuchtbuch aufgenommen wurden. Wenn du nur für schwarze Augen selektierst und dein Kollege nur für schwarze Augen und der Kollege deines Kollege nur für schwarze Augen, wird der Genpool der gesamten Rasse homozygoter und verarmter. Indem du nach etwas suchst, dass du mit bloßem Auge sehen kannst, wählst du versehentlich etwas aus, das du nicht sehen kannst, einschließlich Eigenschaften, die für das Überleben unerlässlich sind. Möchtest du lieber schwarze Augen oder einen Code im Immunsystem haben, der die T-Zellen anweist, Osteosarkomzellen anzugreifen und zu zerstören? Möchtest du lieber ein perfektes Fell oder einen Hund, der Mykoplasmen abwehren kann? Möchtest du lieber eine hervorragende Oberlinie oder die Fähigkeit haben, Kupfer zu verarbeiten? Möchtest du lieber, dass deine Hunde an Herzkrankheiten oder Lymphomen sterben?

Möchtest du wissen, was passiert, wenn jemand eine Eigenschaft gegenüber der anderen bevorzugt und sich künstlich für oder gegen sie entscheidet?

Warte, ein weiteres Glas Wein kommt.

Ich werde dir eine Geschichte erzählen, die von einem guten Freund, selbst einem alten Züchter, an mich weitergegeben wurde.

In einer weit entfernten Galaxie gab es einmal eine so schöne, so gute Rasse, dass alle für einen Welpen Schlange standen. Es gab viele Züchter, die mit dieser schönen Rasse arbeiteten, und sie war so beliebt, dass es keineswegs ungewöhnlich war, hundert Hunde dieser Rasse in einer einzigen Klasse auf einer Ausstellung zu sehen.

Was war die Rasse, fragst du dich? Schau nach unten, siehst du diesen schönen gestromten Hund an deinem Fuß? Die Besten der Besten, triefend vor Adel und Ausdruck, so schlau, so liebevoll, so mutig, so loyal, die Welt hat noch nie einen besseren gesehen!

Alles war gut. So viele Leute wollten einen dieser Hunde, dass Züchter nie Probleme hatten, das beste Zuhause zu finden. Weil sie so gut verkauft wurden, hatten Züchter die Möglichkeit, Hunde aus anderen Galaxien zu importieren und zu weit entfernten Shows zu reisen. Sie bauten wunderschöne Zwinger und kauften für ihre Hunde das Beste aus Fleisch und Met. Und die Hunde? Sie waren gesund und glücklich.

Bis eines Tages. Zuerst entwickelte ein Welpe in einem Zwinger ein seltsames Problem, das noch nie zuvor gesehen wurde. Dann ein anderer. Dann noch einer. Dann kam ein Tsunami kranker Welpen. Irgendwo in den winzigen, unsichtbaren Hundi-Chromosomen mutierte etwas, und jetzt gab es eine neue, sehr erbliche neurologische Erkrankung, die nicht behandelt werden konnte und immer zum Tod führte. Ihr Name war PA.

Nachdem die Züchter die Stadien des Schocks und des Unglaubens durchlaufen hatten, taten sie sich zusammen und beschlossen, die Krankheit zu besiegen. Sie arbeiteten mit Genetikern und Tierärzten zusammen und wählten strengste Auswahlmethoden. Sowohl die Eltern als auch alle Geschwister eines bestätigten Falls wurden aus der Zucht genommen. Die Ahnentafeln wurden sorgfältig studiert und viele persönliche Opfer wurden erbracht, als selbst viele berühmte Champions von der Zucht ausgeschlossen wurden. Einige Jahre vergingen, und die Züchter gingen als Sieger hervor! PA war besiegt! Eine beeindruckende Leistung, wenn man bedenkt, dass dies in einer Zeit vor dem Internet und vor der Sequenzierung des Hundegenoms geschah. Glücklich, wenn auch noch etwas traumatisiert, konnten die Züchter weitermachen. Die Wissenschaftler erhielten zahlreiche Auszeichnungen. Hunde starben nicht mehr jung.

Alles ging wieder zurück auf Anfang. Schöne Zwinger. Glückliche gesunde Hunde. Zufriedene Besitzer Viele Anmeldungen zu den Shows.

Bis ein paar Jahre später. Zuerst fiel ein Hund in der Blüte seines Lebens tot um, dann ein anderer, dann noch einer, und schon bald wurde deutlich, dass eine neue tödliche Krankheit ihren monströsen Kopf erhoben hatte. Es gab jetzt Dutzende von bekannten Fällen und bald einige Hundert. Eine Herzerkrankung mit dem Namen BCM zog über die Rasse, definitiv sehr erblich und definitiv sehr tödlich.

Die Züchter steckten erneut die Köpfe zusammen, ließen sich von den Wissenschaftlern beraten, die ihrerseits aufgeregt waren, ihren Beitrag zu leisten (eine vergebliche Menge von ihnen), und bekämpften diese neue Krankheit. Wieder wurden die Ahnentafeln gründlich begutachtet und es wurden Linien mit dieser Krankheit identifiziert. Eltern und Geschwister bekannter Fälle wurden wieder aus der Zucht genommen. Wieder wurden berühmte Champions sofort aus der Zucht genommen. Wieder haben die Züchter gewonnen! Was für eine Erfolgsgeschichte! Die Welt sah neidisch zu. Glückliches Ende? Wenn nur.

Du wirst erraten was jetzt kommt, kein ganzes Jahrzehnt verging, als die Nachricht kam, dass wieder Welpen sterben. Diesmal war es eine Nierenerkrankung, die als JRD bekannt ist. Erst der eine, dann der andere, dann noch einer, immer weiter, bis es zweifellos einen neuen bösen Mörder zweifellos erblicher Natur gab. Wissenschaftler griffen zu den Waffen, bereiteten sich auf eine weitere Kampfrunde vor, riefen zur Selektion und zum Ausmerzen, nur diesmal waren die Züchter nicht so begeistert. Einige berichteten nicht über Fälle, und einige gaben vor, das Problem existiere nicht. Einige bezweifelten die familiäre Natur der Krankheit, und andere waren einfach nur alt und erschöpft. Was war passiert? Warum scheinen die gleichen Züchter, die aktiv gekämpft haben, Kriegsschreie, Banner und all das gegen die beiden vorherigen mörderischen Krankheiten, plötzlich das Interesse zu verlieren?

Die Populationsgenetik war in dieser Galaxie eine ziemlich neue Wissenschaft, die jedoch in großen Schritten auf dem Vormarsch war. Viel Studienmaterial war nun verfügbar für jeden, der daran interessiert war, und es war offensichtlich, dass jedes Mal, wenn sich die Züchter gegen ein einziges schädliches Gen entschieden und Hunde, die es trugen, aus der Zucht nahmen, andere Hunde an ihre Stelle kamen. Jetzt übernahmen sie die doppelte Menge Zuchteinsätze und verbreiten stattdessen ihre rezessiven Fieslinge. Wenn die Züchter so weitermachen wie bisher und die Population immer und immer wieder einschränkten, würde sich die Situation mit immer neuen Krankheiten wiederholen, bis KEINE HUNDE ÜBRIG geblieben wären.

Jeder einzelne Organismus im Universum trägt in seinen Chromosomen etwas Schlechtes. Solange die Gesamtzahl der Gene / möglichen Allele in der Art / Rasse / Familie groß ist, werden die dazugehörigen Organismen als Gruppe gut dastehen. Krankheiten werden auftreten, aber nur sporadisch, wenn unglücklicherweise der Fall eintritt, in denen sich zwei der gleichen rezessiven Gene im selben Körper treffen. Die künstliche Selektion muss sorgfältig und vorsichtig durchgeführt werden, um die allgemeine Gesundheit des Genpools nicht zu beeinträchtigen. Besonders in geschlossenen Populationen wie dem reinrassigen Hund! Ja, sie werden krank, ja, sie werden sterben, ja, sie werden unser Herz immer und immer wieder brechen, aber das ist ein Teil des Lebens. Denke daran, wir als Hundezüchter MISCHEN nur Gene. Wir sind keine Götter, wir können keine neuen erschaffen anstelle derer, die wir achtlos rausgeworfen haben. Wenn in einem geschlossenen Genpool etwas weg ist, dann ist es wirklich weg und du wirst es niemals zurück bringen können.

Willst du immer noch auf diese schwarzen Augen selektieren, mein Freund? Wie wäre es mit mehr Wein!

Ja, wir können eine Rasse mit einem bestimmten Genpool, der geschlossen ist und nicht erweitert werden kann, NICHT VERBESSERN. Es ist wie ein versiegeltes Glas. Bitte verzichte auf die vom Ego gesponserten Mottos. Verlasse das Pavlovian Mantra. Du weißt jetzt, dass du die Rasse nicht verbessern kannst und niemals verbessern wirst, und es ist absolut in Ordnung, es laut zu sagen. Ich stehe dir zur Seite, um dich zu unterstützen, falls sich jemand mit dir streiten sollte. Sag es schon! Wir sind ALLE im selben Boot, du weißt es!

Was wir stattdessen tun müssen, ist unsere Rassen zu ERHALTEN. Bewahre die Arbeit der Generationen vor uns. Komme nicht herein, mit deinem jugendlichen Überschwang eines Baby-Nashorns, um die Arbeit anderer Menschen zu zertrampeln, und dich als neuen Retter der Rasse zu proklamieren. Nicht, solange dein Name nicht Jesus ist.

Das Beste, was du in dieser Zeit als Hundezüchter auf dieser Erde tun kannst, ist zu HELFEN, DEINE RASSE ZU ERHALTEN.

Doch was bedeutet ERHALTEN?

Etwas zu erhalten bedeutet, es vom Verfall zu bewahren. Fühlst du den Unterschied zwischen Verbesserung und Erhalten? In unserer Realität bedeutet das, den globalen Genpool deiner Rasse so weit wie möglich zu erhalten.

Es bedeutet, alte Linien sorgfältig vor dem Aussterben zu bewahren. Lass keine Mode oder einen Trend entstehen und zerstöre alte Linien. Halte sie fest.

Es bedeutet, auf Anzeichen erhöhter Homozygotie zu achten, welche die Struktur eines Hundes beeinflussen.

Es bedeutet, eine möglichst so große Auswahl an Hunden innerhalb deiner Rasse einzusetzen, um die nächste Generation zu züchten, wie du nur kannst.

Es bedeutet auch, wenn der Schubs kommt, wenn die Rasse ihr ganzes Leben mit uns verbracht hat, Geburt, Wachstum, Reife und Verfall, und es ist jetzt Zeit, dann müssen wir sie gehen lassen.

Alles stirbt, mein Freund, nichts lebt für immer. Von einer Ameise bis zum Elefanten, von einer Karotte bis zum Baum, von einem Unternehmen bis zu einem Land – alles in diesem Universum durchläuft genau die gleichen Stufen. Geburt, Wachstum, Reife, Verfall, Tod. Wenn die Zeit für deine Rasse kommt, lass sie gehen. Viele andere Rassen sind gestorben und ich wette, einige von ihnen haben ihre Wiedergeburt in der Rasse gefunden, die du jetzt liebst. Ich flüstere jetzt. Kannst du meine Lippen lesen? Was ich sage (und nicht sage), würde da draußen wirklich jede Menge Federn zerreißen.

Mehr Wein? Kein Problem!

Es ist zu früh für deine Rasse, um zu sterben, sagst du jetzt und ich weiß, dass du recht hast. Es ist jetzt spät, und ich wurde zu schwarzseherisch. Im Moment arbeiten wir daran, die Rasse zu erhalten. Lasse uns zusammenfassen! Um eine Rasse zu erhalten, benötigen Sie drei Dinge vor allem anderen.

POPULATION

POPULARITÄT

MENSCHEN

Je größer die POPULATION deiner Rasse ist, desto größer ist die Auswahl an verfügbaren Allelen innerhalb des Genpools, desto weniger Krankheiten, einschließlich Erbkrankheiten, Autoimmunkrankheiten, und ja der gefürchtete Krebs wirst du sehen. Du möchtest, dass so viele würdige Vertreter deiner Rasse wie möglich an der Erhaltung ihrer Gene teilnehmen. Denke daran, dass Sie jedes Mal, wenn du die Nase in die Luft streckst und dich weigerst, einen netten Welpen bei einem neuen Züchter zu platzieren, ihn jedoch verkaufst um ihn kastrieren zu lassen, beraubst du deine Rasse. Lass nicht zu, dass sich daraus ein elitärer Sport auf Kosten der Rasse selbst entwickelt. Sei nicht zu streng in der Selektion. Wenn in deiner Rasse Erkrankungen bekannt sind für die DNA-Tests verfügbar sind, bei allem was heilig ist, gib nicht an von nun an nur noch „freie“ Hunde zu züchten. Liebe deine Rasse, unterstütze ihre Population, lasse so viele genetische Variationen wie möglich zu. Was ist mit der Erkrankung, fragst du? Behutsam, mein Freund, behutsam und erinnere dich, alles was lebt, wird eines Tages sterben.

Um die Population zu unterstützen, braucht deine Rasse POPULARITÄT. Die Rasse muss im Auge der Öffentlichkeit stehen, und die Rasse muss einen echten Wert bieten können. Sei es als Ausstellungshund, als Arbeitshund, als Jagdhund, als Therapiehund, als Hütehund, als Diensthund, als Schoßhund, als Sofahund, sie muss es für die Öffentlichkeit etwas Besonderes sein, damit man sie besitzen möchte. Identifiziere die einzigartigen wertvollen Qualitäten deiner Rasse und spreche mit anderen darüber! Anzeigen schalten! Dokumentarfilme sponsern! Haben sie das weichste, seidigste Fell, die den Stress von dir abfallen lassen, wenn du nach Hause kommst und ihnen die Ohren und den Hals kraulst? Können sie Enten besser aus dem Wasser holen als andere? Haben sie die schönsten Augen, die deine Seele zum Schmelzen bringen? Sind sie immer glücklich und voller Energie und bereit, mit dir auf eine Wanderung zu gehen? Bringen sie dich auf komische Weise zum Lachen?

Wagen dich raus aus der kleinen Welt Ihrer Altersgenossen, bringe deine Hunde auf die Straße, lasse die Leute sehen, was ihnen fehlt, erzähle ihnen von den einzigartigen Eigenschaften deiner Rasse und begeistere sie. Lasse deine Hunde Botschafter sein. Menschen haben eine angeborene Wertschätzung der Schönheit. Höre auf, diese schönen Hunde in deinem Garten zu verstecken. Denke daran, dass Hundezüchter von Haustierbesitzern und Tierhaltern aus der Öffentlichkeit geboren werden. Interagiere mit der Öffentlichkeit, und wunderbare neue Züchter werden früher oder später dazu kommen.

Schließlich musst du dir bewusst machen, dass deine Lieblingsrasse zu einem sehr schnellen Aussterben verurteilt ist, es sei denn, sie hat Menschen. Es braucht wirklich Menschen wie du selbst, die bereit sind, all ihre Zeit, all ihre Energie, ihr gesamtes Geld und ihr ganzes Leben dem Altar ihrer geliebten Rasse zu opfern. Es braucht leidenschaftliche Menschen, Menschen mit Drive, Menschen, die nicht nur reden, sondern auch spazieren gehen. Hör auf, ein Snob zu sein! Du bist nicht der einzige, der Hunde züchten darf. Du musst aufhören, völlig aufhören zu mobben, zu plaudern, schlecht zureden, zu verletzen, zu urteilen, zu beschämen, zu diffamieren und andere Mitglieder unseres Clans zu quälen. Wir können nicht gewinnen, indem wir gegen unsere eigenen Leute kämpfen, Alter! Du musst alles tun, um neue Menschen für deine Rasse zu gewinnen und ihnen so hilfreich und unterstützend wie möglich zu sein, als wären es deine eigenen Kinder. “Mentor” nicht, bitte nicht. Zu oft wird “Mentoring” zur Jagd auf gehorsame junge Sklaven, die sich um ihr eigenes Zuchtprogramm kümmern. Hör auf, so widerlich egoistisch zu sein. Helfe jungen Züchtern mit deinen eigenen Zuchtprogrammen, die nicht durch Blut oder finanzielle Verpflichtungen an dich gebunden sind. Stelle dich und dein Wissen zur Verfügung, aber lasse sie ihre eigenen Fehler machen, so wie du es beim ersten Mal gemacht hast. Sie lernen aus ihren Fehlern viel besser und schneller als aus deinen langweiligen Vorträgen. Ermutige sie, sage ihnen nicht “Entweder so oder gar nicht”, und ziehe dich nicht zurück. Feier jedes Mal, wenn du die Gelegenheit hast, eine neue Person für deine Rasse zu gewinnen, denn sie sind das Blut der Hundezucht.

Mehr Wein?

Akzeptiere, dass nicht jeder Züchter die gleichen Prioritäten hat wie du. Glücklicherweise! Erinnerst du dich daran, was passiert ist, als wir alle versuchten, schwarze Augen zu züchten? Züchte selbst für dieses schwer fassbare, perfekte Schulterblatt, aber bitte erlaube anderen, für die perfekte Hinterhand, lange Wimpern oder ein süßes Hundelächeln oder den wundervollen Umgang ihrer Hunde mit den Kindern zu züchten. Sicherzustellen, dass wir alle unterschiedliche Prioritäten haben, verleiht deiner Rasse die äußerst wichtige genetische Vielfalt! Hör auf, bitte hör auf zu flüstern. “Hast du die scheußliche Rute dieses Hundes gesehen?” Ja, ich habe es absolut gesehen. Ich habe auch die schreckliche Hinterhand deines Hundes bemerkt. OK?

Hör auf, dem Gruppenzwang nachzugeben. Niemand hat alle Antworten. Deine Mentoren, deine Clubmitglieder, deine Züchter, deine Zuchtwarte, deine Richter – höre auf, sie für dich denken zu lassen, höre auf, dir von ihnen vorschreiben zu lassen was du züchten sollst, wie du züchten sollst und was deine Prioritäten sein sollten. Denke selbst. Gib dein Bestes. Sei dein eigener schlimmster Kritiker. Höre niemandem zu, bis du seine wahren Motive verstanden hast. Die einzige Verantwortung, die du als Züchter hast, ist die deiner Hunde und die deines Welpenkäufers. Hör auf zu versuchen, die Menge zu erfreuen, es ist unmöglich, von allen gemocht zu werden. Gehe deinen eigenen Weg, aber trete nicht auf die Zehen anderer.

Hör auf, Bewunderung zu fordern. Ich muss deine Hunde nicht mögen, um dich zu lieben und zu respektieren. Vielleicht denke ich heimlich, dass deine Hunde schrecklich sind, aber ich weiß auch, dass dein Recht, sie zu züchten, genau dasselbe ist wie mein Recht, meine zu züchten, und du kannst darauf wetten, dass ich für dein Recht eintrete, für mein Recht und für ihr aller Recht auch. Hast du sie “nur Sofa-Züchterin” genannt? Glaubst du wirklich in deinem Herzen, dass die Anzahl der Zähne deines Hundes, die Größe seiner Ohren und der Winkel seines dummen Sprunggelenks für deine Rasse einen höheren Wert haben als das freundliche Wesen ihres Hundes, seine Fähigkeit in einem Monat stubenrein zu werden, und seine ausgezeichnete Immungesundheit? Fragen wir einen Laien, welchen der beiden Hunde er lieber mit nach Hause nehmen würde. Wenn man von diesem hohen Pferd herunterfällt, wird es weh tun.

Lass sie Trockenfutter füttern, während du rohe Schwanenzungen fütterst. Lassen sie ihre Hunde impfen, während du stattdessen das neueste Kokosnussöl-Wundermittel auf die Ohren deiner Hunde tupfst. Vergess nicht, Apfelessig hinzuzufügen. Lass sie ihre Hunde auf einer staubigen Couch schlafen, während deine in einem Schloss wohnen. Lass sie ihre Welpen für doppelt so viel Geld verkaufen, wie du haben möchtest – solange ihre Käufer glücklich sind, gut für sie! Bist du neidisch? Das ist eine schlechte Emotion, die dein Leben sicherlich verkürzen wird. Hör auf, so verdammt wertend zu sein, du bist nur ein Mensch, genau wie sie! Leben und leben lassen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Qualität eines Züchters nur in zwei Punkten wirklich beurteilt werden kann. Sind seine Hunde erstens glücklich? Zweitens: Sind die Menschen, mit denen er geschäftlich zu tun hast, glücklich? Solange du beide Fragen mit “Ja” beantwortest, betrachte ihn als einen AUSGEZEICHNETEN Züchter. Stoppe gleich dort. Hör auf, nach anderen Fehlern bei ihm zu suchen. Wahrscheinlich hast du mehr davon als er!

Lass deine Haltung “heiliger als du” fallen. Nichts, absolut nichts tut deiner Rasse mehr weh. Denke daran, ich weiß, woher du diese Einstellung hast. Von der Angst in deinem Herzen. Jeder Züchter hat genau dieselbe Angst an genau derselben Stelle. Bitte versuche sie zu sympathisieren, nicht zu widersprechen. Es gibt nicht “wir” und “sie”, es gibt nur “du” und “ich”, hörst du? Wir sind aus einem Blut, du und ich.

Die Weinflasche ist jetzt leer, ich fahre dich nach Hause zu deinen Hunden. Auf dem Weg zu deinem Haus muss ich zugeben, dass ich nicht alle klaren, ordentlichen und einfachen Antworten habe. Ich bin nur ein Hundezüchter, genau wie du. Alles, was ich habe, sind einige Ideen, bloße Ideen, geboren aus 27 Jahren in Hunden, fünfzig Champions, einer einzigen, alles verzehrenden Leidenschaft und einer Menge gebrochener Idole. Lasse mich wissen, was du darüber denkst?

Danke, dass du mein Jubiläum mit mir feierst. Wir sind von einem Blut, du und ich, mein Hundezüchter-Freund.

18 Kommentare

  • Ein sehr toller Beitrag. Vielen Dank für die Übersetzung!
    Leider habe ich beim Wischen über die Bewertungssterne zu früh losgelassen. Es sollten 5 Sterne werden, aber irgendwie konnte ich es nicht mehr ändern?!?? Sorry für diesen Handy-Schnitzer :-/

  • Danke! …. und ich habe keine Ahnung, wieviele Sterne mein Handy beim Scrollen vergeben hat. Verdient hat der Beitrag die maximal mögliche Anzahl!

  • Wir sind erst seit knapp 3 Wochen stolze Hundebesitzer eines wundervollen Herzenshundes Cooper, aber ich muss wirklich sagen dieser Artikel trägt soviel wahres in sich, sehr beeindruckend geschrieben. Wir hatten das große Glück bei einer wundervollen Züchterin gelandet zu sein, die all das ihrer Tiere zu liebe sehr ernst nimmt und ihr ganzes Herzblut in ihre Zucht steckt.

    Auf diesem Wege euch ein frohes und gesundes neues Jahr verbunden mit ganz viel Freude am treuen und ehrlichen Hundefreund❤️

  • WAHRHEIT PUR! Dieser Beitrag wühlt mich total auf und treibt mir Tränen in den Augen. Sehr viel Wahrheit enthalten diese Zeilen. Leider ist es so, dass für viele Züchter nur noch das Geld und der Ruhm zählt. Die Tiere werden auf der Suche nach dem Ruhm vergessen. Schade! Darf ich diese Zeilen auch auf meine Homepage teilen?
    Danke und „Happy New Year!“

  • Das ist der Beste Artikel den ich seit langen gelesen habe,vielen vielen Dank dafür. Ich habe es einfach Teilen müssen und hoffe es macht viele Nachdenklich. Leider ist es wohl in fast jeder Hundezucht so, das mehr Gegeneinander als Miteinander gezüchtet wird.

  • Liebe Maike,
    kennst du die Rasse KROMFOHRLÄNDER? Man möchte meinen, du wärst selbst einer (zwinker), denn du sprichst den Kromis mit diesem tiefsinnigen Beitrag aus ihrer verzweifelten Seele.
    Es grüßt eine tief beeindruckte Züchterin, die bereits vor Jahren einmal aufgegeben und seit kurzem wieder neuen Mut in einem Einkreuzprojekt von ProKromfohrlaender e.v. gefunden hat.
    Liebe Grüße aus dem verschneiten Nesselwang im Allgäu

  • Ein Mensch mit offener klarer Seele und einem von Mut gestähltem Rückgrat – ein Mensch, den ich als Vorbild in mein Leben nehme … und davon gibt es nicht viele (für mich)

  • Liebe Angela,
    tatsächlich habe ich die aufregende Geschichte der Kromis verfolgt und weiß ein wenig von den Schwierigkeiten und Problemen in der Zucht. Leider scheint es, als könnte man den Text auf so ziemlich jeden Hundezucht-Verein anwenden :/

    Liebe Grüße, Maike

  • Ich habe 16 Jahre Rassekaninchen gezüchtet und viel von den alten Züchtern gelernt, auch manchmal Neider erlebt, Inzuchtfanatker mit Unterstützung von Wissenschaftlern Erfolg und Absturz erlebt. 22 Jahre Warmblutzucht mit nicht gekörtem gesunden Rennpferd betrieben. Alle Vor- und Nachteile der Blutverengung erlebt. Unreitbare Starvererber und dominante Problemvererber verfolgt. Mir warer die Erbanlagen unseres Hegstes, der Jedermann reizbare, umgängliche Fohlen zeugte lieber. Er hatte ein hartes aber glückliches Leben in seiner Herde und mit seinen Söhnen. Auch da gab es boshaftigkeiten von anderen Züchtern. Nun habe ich einen von Züchtern nicht gebilligten Registerhund und höre und lese böse kommentare von Züchern oder deren Gefolge sowie eine Zuchtsperre von ganz oben und unten auferlegt. Mann könnte aber man wolle keine Registerhund in der Zucht. Es sei eine Frechheit, dass der Zuchtverband sie zu Ausstellungen zulasse. Ich brauch eine V Bewertung um sie beim Coursing starten zu lassen was ihr deutlich mehr Spaß macht als auf Ausstellungen zu laufen. Aber so viele Einscheimer nur um einen auszuhorchen und unter den Züchtern jede noch so kleine Information herunzutragen habe ich noch nie erlebt. Neulingen helfen? Fehlanzeige! So gewunnt man keine neuen Aussteller, denn wer will immer nur als Außenseiter abgewatscht werden oder ungeniert deren bösartigkeiten neben dem Ausstellungzelt zu hören. Der dann seinen Star im zweierring neben meinem laufen müsste. Nein von ihm nehme ich auch niemals einen Welpen und werde ihn auch nicht empfehlen. Er ist mir zu intolerant! Aber ich habe auch langsam keine Lust mehr meinem Hund und mir die unfairen Mitstreiter zu oft zuzumuten. Würde ich züchten wollen, dann würde ich schon offizielle Wege finden, aber meine Angst wäre die Abgabe der Welpen an mir unbekannte Menschen. Ich setze mich dennoch für die Akzeptanz von Registerhunden deren Ahnen sogar oft bekannt sind, aber nicht Gleichbehandelt werden zu Importhunden, die zur Zucht zugelassen werden und niemand weiß ob es nicht vielleicht sogar reimporte ihrer nicht zugelassenen ehemaligen Registerhund sind. So findet man in fast jeder Linie positives und negatives worüber man sich bei anderen Züchter eschoffiert. Wer Hunde züchten möcht der muss sich einen harten Panzer anlegen, da gefällt mir der Umgang untereinander und besonders mit Neulingen nicht immer.

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