Medizinische Besonderheiten beim Silken Windsprite und anderen Windhunden


Medizinische Besonderheiten beim Silken Windsprite

Medizinische Besonderheiten beim Silken Windsprite

„Windhunde sind anders“ – das beziehen die meisten Menschen auf ihr besonderes Wesen, doch stimmt das noch in anderer Hinsicht. Windhunde unterscheiden sich auch aus medizinischer Sicht von den meisten anderen Hunderassen. Viele der Beobachtungen beziehen sich auf den Greyhound, doch auch jeder Silken-Windsprite-Besitzer sollte schon mal davon gehört haben.

Die folgende Aufzählung ist keinesfalls zur Selbstdiagnose gedacht, sondern lediglich zur Information. Im Zweifelsfall kann eine Diagnose und Therapie hinterfragt werden und eine Zweit- oder Drittmeinung durch einen windhunderfahrenen Tierarzt eingeholt werden.

MDR1-Gendefekt

Der MDR1-Gendefekt ist beim Silken Windsprite weit verbreitet und schon seit vielen Jahren bekannt. Durch sorgfältige Verpaarungsplanung wird der Gendefekt systematisch und erfolgreich eingedämmt. Vom MDR1-Gendefekt betroffene (-/-) Welpen kommen beim seriösen Züchter nicht vor, jedoch gilt es auch bei Trägern des Gendefekts (+/-) bestimmte Wirkstoffe nicht zu verwenden, insbesondere einige Mittel gegen Parasiten, Antieleptika, Antibiotika sowie Beruhigungs- und Narkosemittel. Mehr über den MDR1-Gendefekt.

Herz

Herzgrößen und -dimensionen von Windhunden unterscheiden sich von denen anderer Hunderassen. Auch leise systolische Herzgeräusche können vorkommen, ohne, dass tatsächlich Herzerkrankungen zugrunde liegen. Mehr über die Herzstudie bei Whippets und Salukis.

Blutwerte

Die Blutwerte von Greyhounds und anderen Windhunden weichen zum Teil deutlich von denen anderer Hunderassen ab, ohne dass eine Erkrankung vorliegt. Die deutlich höhere Zahl roter Blutkörperchen und eine geringere Anzahl von weißen Blutkörperchen und Thrombozyten im Vergleich zu anderen Rassen, kann zu Fehldiagnosen führen.

Neben den genannten Blutwerten unterscheiden sich auch die Schilddrüsenwerte stark von denen anderer Hunderassen. Der T4-Wert kann bei Windhunden so niedrig sein, dass er unterhalb der Messgenauigkeit der Analysegeräte liegt, ohne dass der Hund tatsächlich an einer Schilddrüsenunterfunktion leidet. Eine gute Faustregel ist, dass die T4-Werte von Greyhounds in etwa halb so hoch wie die Werte anderer Hunderassen sein können.

Narkose

Im Vergleich zu anderen Hunderassen verfügen Windhunde über sehr wenig Körperfett. Daher sollten keine Narkosemittel verwendet werden, deren Wirkdauer von ihrer Umverteilung im Körperfett abhängt. Denn bei zu wenig Fett kann dies zur Überdosierungen durch zu kurze Deponierung führen. Dazu zählen Phenothiazine, Ketamin und vor allem Thiobarbiturate.

Außerdem muss der Tierarzt bei Windhunden besonders gut auf den Erhalt der Körpertemperatur während und nach der Narkose achten. Durch das verringerte Unterhautfett können sie schneller auskühlen, es kann jedoch auch durch zu hohe Temperaturen eine lebensbedrohliche Überhitzung auftreten.

Maligne Hyperthermie

Die Maligne Hyperthermie (kurz MH) ist ein seltener, erblicher Gendefekt, der bei allen Hunderassen, wie auch bei anderen Tierarten und auch beim Menschen, auftreten kann. Bei betroffenen Hunden werden eigentlich unproblematische Narkosemitteln zu Auslösern für eine Verkrampfung der Skelettmuskulatur und einer Überhitzung des Körpers während der Narkose. Zu den Auslösern zählen üblicherweise verwendete Anästhetika wie Halothan, Enfluran, Isofluran, Desfluran, Sevofluran und depolarisierende Muskelrelaxantien (Succinylcholin). Wenn die Narkose nicht sofort unterbrochen wird, können sich die Symptome weiter bis zur Arhythmie, Rabdomyolyse und Nierenversagen entwickeln und zum Tod führen.

Der Gendefekt wird autosomal dominant vererbt, das bedeutet, dass bereits eine Kopie des defekten Gens zur Ausprägung des Defekts ausreicht. Von MH betroffene Tiere sind im Alltag symptomfrei. Beim Silken Windsprite gibt es bisher keine Untersuchung, ob der Gendefekt innerhalb der Rasse vorkommt. Mir ist überhaupt nur ein Silken Windsprite bekannt, der auf MH getestet (und frei davon ist): Merlin.

Greyhoundsperre

Zu dieser Erkrankung kann es 24 -72 Stunden nach starker körperlicher Belastung kommen. Muskelschäden führen zu einem steifen Gang, Schwäche, Appetitlosigkeit und gegebenenfalls zum Kreislaufkollaps. Häufig beobachtet wird kurz nach der körperlichen Anstrengung eine Dunkelfärbung des Urins. Dies wird durch Myoglobin, das aus zerstörten Muskelzellen freigesetzt wird, verursacht. Die Ablagerung von Myoglobin in der Niere kann zu Nierenversagen führen.
Die Erkrankung stellt einen akuten Notfall dar, bei der umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden sollte.

Weitere Infos / Quellen

www.saluki-web.de/Tierarzt_Merkzettel.pdf
www.greythealth.com/
www.greyhound-data.com/dir/445/Greyhound_Health_Packet.pdf

Blutwerte
www.galgorettung-fs.de/index.php?id=81
www.progreyhound.de/blutwerte/

Narkose
www.books.google.de/books?id=1lcyY-m7830C&pg=PA652&lpg=PA652&dq=maligne+hyperthermie+greyhound&source=bl&ots=q_aDG70jyn&sig=LIGoNeEYCZYT9KJollLq7GikkTw&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiMy_jU9JPbAhUDDywKHU61ATcQ6AEIXjAG#v=onepage&q=maligne%20hyperthermie%20greyhound&f=false

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