Silken Windsprite in Not

Silken Windsprite in Not

Immer wieder werde ich gefragt, ob es Silken Windsprites in Not oder im Tierheim gibt, die ein neues Zuhause suchen. Oftmals wird auch nach „ausrangierten“ Zuchthündinnen gefragt oder gar Vermittlungslisten. Die Wahrheit ist, immer mehr Silken Windsprites geraten in Not. Die Gründe sind sehr vielfältig, doch ich möchte hier einige aufzählen. Denn oft machen sich die Besitzer selbst wenig Gedanken um die Bedürfnisse ihrer Hunde oder bemerken das Problem erst, wenn es fast zu spät ist.

Nothund Grund #1: Schlechte Ernährung

Bitte das Saltimbocca vom Linumer Wiesenkalb mit glasierten Möhren, getrüffeltem Kartoffelpüree und frischen Gartenkräutern!

So oder so ähnlich würde ein Silken Windsprite wohl sein Abendessen bestellen, wenn er könnte. Schnödes Trockenfutter wird dagegen skeptisch beäugt mit einem Blick, der sagt: „Ist das Dein Ernst?“.

Doch irgendwann treibt der Hunger die lange Nase in den Napf. Prüfend wird jedes Bröckchen einzeln aus dem Napf geholt und dreimal umgedreht. „Mal schauen, ob der Fraß von der anderen Seite besser ausschaut..“ – Tippelschritte um den Napf. Weitere Proben-Bröckchen finden den Weg auf den Fußboden, werden umgedreht, beschnüffelt und anschließend ignoriert.

Testurteil fürs Trockenfutter: Durchgefallen.

Katastrophale Zustände: Man beachte den entsetzten Blick des Silken Windsprites

Nothund Grund #2: Unwürdige Haltung

Dein Silken Windsprite besitzt nur ein Körbchen? Bitte gib ihn unverzüglich im örtlichen Tierheim ab!
Pro Silken Windsprite musst Du mindestens drei Schlafplätze zur Verfügung stellen, weniger sind ein Fall für den Tierschutz. Die Körbchen müssen dabei in ihrer Beschaffenheit und Größe variieren, doch stets extra weich und bequem sein: Weich – weicher – Windsprite-weich.

Das Sofa und Dein Bett sind natürlich obligatorisch und zählen nicht mit zu den oben genannten drei Schlafmöglichkeiten.

Achtung: Wenn ein Silken Windsprite auf dem Boden liegt, ist das ein klares Anzeichen, dass keines der Körbchen den Mindestanforderungen entspricht. Du hast damit offiziell einen Nothund!

Wie auf dem nebenstehenden Beweisfoto zu sehen, spielt auch die Größe des Körbchens eine entscheidende Rolle. Das gezeigte Körbchen ist offensichtlich viel zu klein, der Silken Windsprite fällt im Schlaf heraus und bekommt Liegeschwielen vom harten Untergrund.

Nothund Grund #3: Im Stich gelassen

Du verlässt das Haus OHNE Deinen Windsprite. Die Nachbarn fragen schon ganz entsetzt, wo denn Dein Hund ist.
Mit einer billigen Ausrede gehst du schnell weg.

Dein Windsprite wird sich fühlen, als hättest Du ihn an der Autobahn-Raststätte ausgesetzt. Mutterseelenallein und verlassen muss er jetzt ausharren und auf Hilfe hoffen.
Wenn du nur ein bisschen Herz hast, fühlst Du Dich ebenfalls schlecht und unvollständig.

Wenn Du wieder nach Hause kommst (und du hast Deinem Windsprite fest versprochen, dass Du immer wieder zurückkommst), wird erstmal auf dem Sofa gekuschelt. Und zwar solange, bis die Welt wieder in Ordnung ist.

Nothund Grund #4: Foltermethoden

Eine besonders schlimme Umgangsform scheint sich immer mehr zu häufen. Vielfach sieht man sogar Beweisfotos in den sozialen Netzwerken. Ungeheuerlich, dass sich die Besitzer dieser geschundenen Kreaturen offensichtlich noch einen Spaß daraus machen.

Gemeint ist das sogenannte „Baden“. Meist wird dem Windsprite vorab noch ein ausgiebiger Spaziergang zugebilligt, um ihn anschließend nichtsahnend „zu baden“.

Umso schlimmer für die arme Hundeseele. Erst durfte sie noch nach Herzenslust über den wohlduftenden Acker laufen und sich mit Eau de Fuchs parfümieren, um nun solch eine erniedrigende Behandlung durchzustehen.

Als wäre es nicht schon schlimm genug, den Windsprite in eine befüllte Badewanne zu stellen und komplett (!!) mit Wasser zu benetzen – viele Besitzer toppen das ganze noch mit sündhaft teuren, sogenannten „Hundeshampoos“, die geeignet sind dem Windsprite für mindestens 30 Minuten Unbehagen zu bereiten.

Das folgende Foto ist nichts für schwache Nerven. Man beachte den hilfesuchenden Blick des linken Windsprite und die völlige Resignation im Ausdruck des rechten Windsprites.

Ich oute mich

Auch Merlin hatte am Anfang schwer unter meiner Unwissenheit zu leiden. Tatsächlich hatte er zunächst nur ein einziges Körbchen und musste viel Erziehungsarbeit aufwenden, bis ich endlich verstand, wie man einen Silken Windsprite artgerecht ernährt.

Okay – zugegeben …

Das ist natürlich nicht gerade das, was Interessenten unter „Silken Windsprite in Not“ verstehen. Ich kann es gut nachvollziehen, wenn man lieber einen älteren oder zumindest erwachsenen Hund aufnehmen möchte, anstatt einen Welpen. Auch Merlin kam erst im Alter von 8 Monaten zu uns.

Allerdings hat sich in den letzten Jahren der Begriff „Nothund“ zu einem richtigen Running Gag entwickelt. Nothund hier, Nothund da.

Fakt ist, dass es zum Glück bisher keine Silken Windsprites „in Not“ oder im Tierheim gibt. Dafür sind diese Hunde einfach zu selten. Außerdem halten seriöse, verantwortungsbewusste Züchter Kontakt zu ihren Welpenkäufern. Falls ein Hund nicht in seinem ersten Zuhause bleiben kann (was nur selten vorkommt), wird er mit Unterstützung des Züchters in ausgewählte, meist bereits bekannte Hände vermittelt, oftmals als Zweit-Windsprite.

Bevor ein Silken Windsprite tatsächlich in Not gerät, ist bei seinem Züchter oder innerhalb der Szene immer ein warmes Plätzchen frei. Diese Hunde tauchen erst gar nicht in Vermittlungslisten oder Anzeigenportalen auf. Ein Neuling hat hier keine Chance.

Ehemalige Zuchthündinnen werden in der Regel überhaupt nicht neu vermittelt, sondern verbleiben bei der Züchterfamilie. Für einen seriösen Züchter sind seine Hunde nämlich in erster Linie Familienmitglieder.
Und falls doch ein Hund wegen fehlender Zuchteignung neu platziert werden soll, wird ebenfalls ein ausgewählter Platz bei bereits bekannten Personen und Rassekennern bevorzugt.

Erwachsene Windsprites zur Adoption

Die Chancen überhaupt einen erwachsenen Silken Windsprite zu adoptieren, anstatt eines Welpen, stehen also nicht besonders gut. Falls Du solche Hunde in den Kleinanzeigenportalen entdeckst, sind diese oft zweifelhafter Herkunft, oder sogar Mischlinge, die für viel Geld als „reinrassige Silken Windsprites ohne Papiere“ verkauft werden.

Natürlich können diese Hunde nichts für ihre Herkunft und verdienen ein genauso gutes Zuhause wie ein Rassehund. Doch niemand sollte es unterstützen, dass skrupellose Vermehrer sich die Taschen voll machen.

Und was bedeutet es überhaupt einen erwachsenen Windsprite zu adoptieren? Im besten Fall bekommst Du einen unkomplizierten, gut sozialisierten Begleiter, der stubenrein ist, ein Weilchen alleine bleiben kann und die Zerstör- und „Ohren-auf-Durchzug“- Phase bereits weitgehend hinter sich hat. Im ungünstigen Fall bekommst Du einen verängstigten Problemhund, der mehr Betreuung und Training braucht als ein unbedarfter Welpe. Das passiert nämlich sehr leicht, wenn diese sensiblen Windhunde als Welpen und Junghunde nicht mehr zu sehen bekommen, als den Hof des Züchters.

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