Die Fellfarbe Isabell – und warum es sie (wahrscheinlich) beim Silken Windsprite nicht gibt

Die Fellfarbe Isabell – und warum es sie (wahrscheinlich) beim Silken Windsprite nicht gibt

Die Farbe Isabell ist optisch ein helles grau-braun und wird auch bezeichnet als Isabella, Lilac, Beige, cafe-au-lait, Milchkaffee-farben, Mausgrau oder Silver. Bekannt ist die Farbe vor allem beim Weimaraner, aber auch beim Chihuahua oder Border Collie. Bei weiteren Rassen tritt die Farbe zwar auf, gilt jedoch als unerwünschte Fehlfarbe und ist zuchtausschließend.

Bei der Begriff Isabell-farben darf man sich schon mal fragen, woher denn diese Farbbezeichnung stammt. Nach einem Wörterbuch von 1811 geht sie zurück auf eine kleine Geschichte: Demnach soll die spanische Prinzessin Isabella gelobt haben, ihr weißes Hemd nicht eher zu wechseln, bis ihr Gemahl aus dem Krieg heimkehren würde. Bis dahin (der Gemahl war sehr lange im Krieg…) war ihr Hemd „isabellfarben“ geworden, also grau-braun-gelb oder lehmfarben.

Die Optik: So sieht ein isabellfarbener Hund aus

Typisch für isabellfarbene Hunde sind, neben der grau-braunen Fellfarbe, grünliche bis gelb- oder bernsteinfarbene Augen. Als Welpe können diese sogar himmelblau aussehen. Dazu kommen beige bis leberfarbene Schleimhäute, also Lefzen, Lidränder und Nase, die in der Intensität variieren können, aber niemals schwarz oder schwarz überflogen sind. Am ganzen Körper gibt es kein einziges schwarzes Haar.

Die Genetik hinter der Fellfarbe Isabell

Ein isabellfarbener Hund ist in der Grundfarbe eigentlich Schwarz. Doch durch das rezessive Allel b (Genotyp b/b) wird das schwarze Fell zunächst zu Braun verändert. Das wirkt aber nicht nur auf die Haare, sondern auch auf die Pigmente der Haut und der Augen. Braunes Fell ist bekannt beim Labrador, Deutsch Kurzhaar oder in Verbindung mit Tan auch beim Dackel, Dobermann, Appenzeller Sennenhund oder Australian Shepherd. Die braune Fellfarbe hat viele Bezeichnungen, wie Schokoladenbraun, Chocolate, Havannabraun, Leberfarben, Zimt oder sogar Rot und Red.

Damit der braune Hund aber isabellfarben wird benötigt er zusätzlich das rezessive Allel d in doppelter Form (Genotyp d/d). Dadurch wird das Schokobraun verdünnt, wirkt verwaschen und abgeschwächt: Es entsteht Isabell. Genau wie Schwarz durch das Dilute-Gen zu Blau verdünnt wird, verhält es sich mit Braun und Isabell.

Links Weimaraner mit Genotyp b/b d/d (isabell) und rechts Weimaraner / Magyar Vizsla –  Mix mit Genotyp b/b D/d (schokobraun)

Die Farbmodifikation Braun kann übrigens nicht nur auf die Grundfarbe Schwarz wirken, sondern auch auf die schwarzen Farbbereiche bei einer Black & Tan Zeichnung. So gibt es z.B. den Dobermann nicht nur in der typischen Farbe Black & Tan und etwas seltener in Braun (Red genannt) & Tan, sondern in Verbindung mit der Farbverdünnung (d/d) auch in den Fehlfarben Blue & Tan und Isabella & Tan. Braun und Isabell können auch in Verbindung mit weißen Abzeichen auftreten.

Isabell-farbene Silken Windsprites

Um die Farbe Isabell auszuprägen, muss ein Hund also drei genetische Voraussetzungen erfüllen:

  1. Gentoyp d/d um die Farbverdünnung auszuprägen.
  2. Genotyp Kb/- für schwarzes Fell oder at/at für Black & Tan
  3. Genotyp b/b für die schokobraune Fellfarbe.

Nr. 1, die Farbverdünnung, gibt es häufig beim Silken Windsprite und in vielen Kombinationen. Auch Nr. 2, schwarzes Fell oder die Black & Tan Zeichnung, gibt es beim Silken Windsprite. Nr 3. jedoch, die braune Fellfarbe, gibt es sehr wahrscheinlich nicht. Zwar ist es möglich, dass dieses rezessive Gen über viele Generationen versteckt vererbt wird und eines Tages unerwartet auftaucht, doch das ist sehr unwahrscheinlich.

Ursprünglich bin ich davon ausgegangen, dass es das Gen für die schokobraune Farbe auch nicht in den Ursprungsrassen des Silken Windsprite gibt. Tatsächlich konnte ich aber durch intensive Recherche einen braunen Sheltie finden. Und sogar beim Whippets konnte ich einen Braun-Träger finden, wobei zweifelhaft ist, ob dies nicht das Ergebnis kürzlicher Einkreuzungen ist.

Nun gibt es aber einige Silken Windsprites, die rein optisch eine sehr ähnliche Fellfarbe wie der Weimaraner haben.

Diese Silken Windsprites werden dann gerne isabellfarben genannt, obwohl ihre Fellfärbung durch eine ganz andere Genkombination entsteht. Zwar sind solche Hunde ebenfalls farbverdünnt (Genotyp d/d), doch die Farbverdünnung wirkt nicht auf schokobraunem, sondern auf rotem bzw. sandfarbenem Fell. Für die Farbe beim Silken Windsprite ist also verdünntes Phäomelanin (rötliches und gelbes Pigment) verantwortlich, während die Farbe Isabell bzw. Lilac durch verdünntes Eumelanin (dunkles bzw. braunes Pigment) entsteht.

Silken Windsprites wie oben in der Bilderübersicht, haben daher den Genotyp (ky/ky) (B/?) (d/d),
während ein Weimaraner meist den Genotyp (Kb/-) (b/b) (d/d) hat.

Durch die optische Ähnlichkeit wird die Bezeichnung Isabell genutzt, was etwas irreführend ist. Besser ist Bluefawn, als deutsche Übersetzung wird gerne Blau-sand oder Blau-creme verwendet oder wenn das Fell einen rosé -Ton hat auch Rosefawn.

Doch auch wenn sich der Farbton von Isabell und Bluefawn sehr ähnelt, gibt es deutliche Merkmale zur optischen Unterscheidung. Denn ein Hund wie der Weimaraner mit Genotyp b/b d/d hat immer leberfarbene Lidränder, Lefzen und Nase. Er kann kein dunkleres Pigment bilden und hat auch niemals eine dunkle Maske. Dagegen haben Silken Windsprites mit ähnlicher Farbe graue bzw. anthrazit-farbene Lidränder und Nasen und oftmals eine graue Maske oder grauen Überflug im Fell.

Über Laboklin oder MyDogDNA kann man die Farben seines Hundes per DNA-Test bestimmen lassen. Lautet das Ergebnis (b/b) für Schokobraun und (d/d) für Farbverdünnung, dann ist der Hund tatsächlich isabellfarben.

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Quellen und weiterführende Links:

Die Genetik der Fellfarben beim Hund
http://runswiftwhippets.net/Genetics/Genetics%20old.html
https://mydogdna.com/sites/default/files/mydogdna_color_chart_0.pdf
Fellfarbe Braun beim Sheltie: http://bowlingsite.mcf.com/GENETICS/Liver.html

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