Calisto’s außergewöhnliche Fellfarbe: Watermarking

Calisto’s außergewöhnliche Fellfarbe: Watermarking
Calisto hat eine außergewöhnliche und seltene Fell-Farbe: Er ist rot-sand mit Weißzeichnung. Dazu hat er eine ausgeprägte schwarze Maske. An den Rändern der farbigen Flächen sammelt sich schwarze Farbe und grenzt diese scharf gegenüber den weißen Bereichen ab. Es sieht fast aus, als wäre die Farbe verlaufen – wie bei einem Aquarell. Watermarking nennt man diese auffällige Fellzeichnung. Doch wie entsteht Watermarking und wie wird es vererbt?
Nun habe ich gleich drei wunderschöne Silken-Windsprite-Rüden, doch einer sticht immer besonders hervor:
Calisto’s außergewöhnliche Farbe fasziniert und erstaunt immer wieder.

 

Sein Fell ist rot-sand mit ausgedehnter Weißzeichnung. Dazu hat er eine ausgeprägte schwarze Maske. An den Rändern der farbigen Flächen sammelt sich schwarze Farbe und grenzt diese scharf gegenüber den weißen Bereichen ab. Es sieht fast aus, als wäre die Farbe verlaufen – wie bei einem Aquarell.

Watermarking nennt man diese auffällige Fellzeichnung.

Genetik

Die genaue genetische Ursache ist zwar noch nicht bekannt, doch es gibt einige Indizien und Anhaltspunkte. Hunde mit Watermarking haben stets eine sehr ausgeprägte schwarze Maske. Diese lokalisierte Verteilung von schwarzem Pigment wird hervorgerufen durch den Em-Lokus.

Genotyp E/E Der Hund trägt keine schwarze Maske und vererbt diese selbst auch nicht.
Genotyp Em/E Der Hund trägt selbst eine schwarze Maske und die Anlage wird mit einer 50%igen Wahrscheinlichkeit an die Nachkommen vererbt.
Genotyp Em/Em Der Hund trägt selbst eine schwarze Maske und die Anlage wird mit einer 100%igen Wahrscheinlichkeit an die Nachkommen vererbt.

Eine Kopie von Em genügt zur Ausprägung der Schwarzmaske (allerdings kann sie von Weißscheckung überdeckt werden oder bei schwarzen Hunden “unsichtbar” sein). Jedoch gibt es auch sehr ausgeprägte, extreme Masken, die bis über die Augen nach oben reichen und einen großen Teil des Oberkopfs bedecken. Hier wird vermutet, dass das Gen in doppelter Form (Em/Em) vorliegt.

Möglicherweise bewirkt dieser Genotyp auch einen “schwarzen Überflug”. Bei Hunden ohne Weißscheckung zeigt er sich an Brust, Beinen und Pfoten – wie man es beim Malinois oder Leonberger kennt. Bei Hunden mit Weißscheckung konzentrieren sich die pigmentbildenden Zellen an den Rändern der Farbflächen. Ungewöhnlich dabei ist, dass die Weißzeichnung normalerweise alle anderen Farben schlicht überdeckt. Bildlich kann man sich das wie einen löchrigen, weißen Mantel vorstellen, den der Hund trägt. So kann ein Hund mit der Kombination von Weißscheckung und Sable oder Black Saddle ebenfalls den Eindruck von Watermarking erwecken.

Durch Beobachtungen sehe ich den Zusammenhang zwischen Schwarzmaske und Watermarking bestätigt: Calisto’s Maske ist mit 4 1/2 Jahren schon stark ergraut. Die Vergrauung der Maske beginnt bei allen Windsprites am Kinn und breitet sich dann über die Schnauze und schließlich den Oberkopf aus. Ebenfalls ergraut sind Calisto’s schwarzen Abzeichen an der Schulter, während sich die übrigen Abzeichen am Rücken seit dem Erwachsenenalter kaum verändert haben.

Beim Windsprite sind schwarze Masken sehr weit verbreitet, sicher also auch das Schwarzmaskenallel in doppelter Form (Em/Em). Watermarking jedoch ist eher selten, also gibt es wahrscheinlich noch andere Modifikatoren oder Variationen des Maskenallel selbst.

Calisto

Calisto hat eine sehr ausgeprägte Schwarzmaske

Calisto ist nicht auf den Em-Lokus getestet. Er selbst hat ja nun eine ausgeprägte schwarze Maske, aber ob er nur eine oder zwei Kopien des Gens trägt, lässt sich optisch nicht unterscheiden. Allerdings hatte Calisto bisher drei Würfe mit unterschiedlichen Hündinnen. Eine Hündin mit einer leichten Maske (hier ist unklar, ob es genetisch tatsächlich um Em handelt), und zwei Hündinnen ohne Maske.

Hätte Calisto nur eine Kopie des Em-Gen, hätten statisch gesehen 50% seiner Nachkommen keine Maske.
Doch alle 14 Welpen haben eine deutliche Maske. Bis mir das Ergebnis eines Gentest vorliegt gehe ich also davon aus, dass Calisto’s Genotyp Em/Em ist.

Würde man es darauf anlegen Welpen mit Watermarking zu züchten, sollte man Calisto mit einer Hündin verpaaren, die ebenfalls gescheckt ist (oder zumindest Träger des Scheckungsgen) und mit ausgeprägter Maske. Am besten sollte sie aus derselben Familie stammen.

Das ist aber nur Theorie! In der Praxis spielt die Farbe des Zuchtpartners zum Glück keine Rolle und Farbzuchten gibt es beim Silken Windsprite nicht. Dafür gibt es ganz andere, viel wichtigere Dinge, auf die ein seriöser Züchter Wert legt.

Darum wird es auch bei Calisto’s nächstem Wurf wahrscheinlich keine Welpen mit Watermarking geben.

Bildergalerie

Verbreitung beim Silken Windsprite

In Deutschland gibt es wenige Watermarked-Windsprites. Im Ursprungsland USA ist jedoch kein einziger Windsprite mit dieser Zeichnnung bekannt. Und das obwohl die Rasse dort seit Jahrzehnten in allen Farben gezüchtet wird.

Die Vermutung liegt also nahe, dass das Watermarking erst in Deutschland seinen Weg in den Genpool der Windsprites gefunden hat: durch Whippet-Einkreuzung. Wie genau, kann man nur schwer nachvollziehen. Beim Whippet kommt diese Zeichnung zwar auch recht selten vor, doch es gibt sie dort schon sehr lange und in vielen Zuchtlinien. Doch auch bei den Vorfahren der Original-Windprites gab es schon Watermarking.

Schaut man sich die Stammbäume der heutigen Watermarked-Windsprites an, entdeckt man schnell, dass diese besondere Farbe in der Familie liegen muss.

Silken Windsprite Merlin mit seiner Nichte Gretel von Katharina von der Leyen
Merlin mit seiner Nichte Gretel

Calisto hat sechs Wurfgeschwister, alle sind gescheckt und vier davon sind ebenfalls watermarked. Seine Mutter Adelie hat leichte Watermarkings, die als Junghund besser zu sehen waren und inzwischen schon sehr verblasst sind. Sein Vater Quincy hat selbst kein Watermarking, aber zwei Wurfgeschwister mit dieser Zeichnung: Bruder Quantero und Schwester Queen Affair, besser bekannt als “Gretel” von Katharina von der Leyen. Alle anderen Geschwister sind einfarbig.

Auch in anderen Würfen gab es Welpen mit leichtem Watermarking. So zum Beispiel Clakki aus Merlins erstem Wurf. Merlin und Calisto sind übrigens auch eng verwandt, auch wenn man das auf den ersten Blick nicht vermuten würde. Calisto’s Großvater mütterlicherseits ist Merlin’s Halbbruder. Calisto’s Großmutter väterlicherseits ist Merlin’s Wurfschwester.

Calisto selbst hatte bisher drei Würfe mit unterschiedlichen Hündinnen. In zwei Würfen war kein einziger Schecke. In einem jedoch zwei, wovon wiederum einer, passenderweise Alisto getauft, als Welpe leichtes Watermarking zeigte.

Sehr leichtes Watermarking beim Welpen verblasst oft bis zum Erwachsenenalter – genau wie manche schwarze Maske.

Watermarking bei anderen Rassen

Auch bei anderen Hunderassen ist Watermarking bekannt. Beim American Akita kommt diese Fellzeichnung besonders häufig vor, aber auch beim Bernhardiner. Immer in Verbindung mit einer ausgeprägten schwarzen Maske.
Nicht zu vergessen natürlich bekannte Whippet-Persönlichkeiten mit Watermarking.

Quellen und weiterführende Links:

Die Genetik der Fellfarben beim Hund
http://www.doggenetics.co.uk/masks.html#extrememasking
http://runswiftwhippets.net/Genetics/Unusual.html#anchor9408

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