Rüde oder Hündin? | Über das Leben mit Silken Windsprite Rüden

Rüde oder Hündin? | Über das Leben mit Silken Windsprite Rüden

Silken Windsprites sind wunderbare Hunde, doch bevor ein Welpe bei Dir einzieht, fragst Du Dich sicher die Frage aller Fragen: „Rüde oder Hündin?“. Mit Hündinnen habe ich nun weniger Erfahrungen, aber aus dem Leben mit drei unkastrierten Silken Windsprite Rüden kann ich Dir einiges erzählen. Auch über die Vorurteile, die es über Rüden gibt und die dazu führen, dass viele Interessenten lieber eine Silken Windsprite Hündin möchten.

1.) „Rüden pinkeln und markieren überall hin“

Erwachsene Rüden markieren häufig und viel und am liebsten überall – wenn man sie lässt. Ob ein Rüde überall hinpinkelt ist darum in erster Linie Erziehungssache. Silken Windsprite Rüden lassen sich normalerweise sehr leicht davon abhalten, an Häuserwände und fremde Blumenkübel zu markieren. So kann man von Anfang an erklären, wo markiert werden darf und wo nicht. Genauso wie man jedem Hund beibringen kann, sein Geschäftchen nicht auf dem Wohnzimmerteppich zu machen. Mit dem markieren ist es nicht anders.

2.) „Rüden sind unverträglich gegenüber anderen Rüden“

Obwohl Silken Windsprites generell äußerst sozial verträglich sind, können sie natürlich, wie jeder Hund, eine Abneigung gegen andere Hunde entwickeln. Doch das gilt nicht nur für Rüden – auch Hündinnen können fremde Hunde ganz schön anmotzen. Soziale Probleme entstehen außerdem nicht einfach so über Nacht und nur aufgrund des Geschlechts und der Hormone. In der Regel entwickeln sie sich aus schlechten Erfahrungen und man kann ihnen mit dem richtigen Training entgegenwirken.

Übrigens: Mein super sanfter, total verträglicher Merlin wurde in seinem Leben zweimal gebissen. Beide Male von Hündinnen, die frei liefen, während er an der Leine war, und ohne sichtbare Vorwarnung seitens den Hündinnen. Dagegen habe ich schon oft erlebt, wie zwei Rüden reagieren können, wenn sie sich nicht riechen können: Grummeln, groß machen, Imponiergehabe, Bellen und knurren. Und das war es dann: Sache erledigt, beide gehen ihres Weges.

Allerdings spielen meine Rüden schon mal mit lautem Gebell und Geknurre, das für menschliche Ohren nicht gerade nach einem harmlosen Spiel klingt. Und auch Momentaufnahmen, die ich mit der Kamera festhalten, sehen auf den ersten Blick nicht nach Spiel aus – auf den zweiten jedoch schon.

Das Spielverhalten bei Hunden

Innerhalb der Kommunikation von Hunden miteinander ist das Spielverhalten ein besonders spannendes Thema. Anzeichen für ein positives Spiel können sein:

  • der typische „Spielblick“, der wie ein Grinsen aussehen kann
  • häufige Rollenwechsel (jeder ist mal der „Hase“ oder „Jäger“)
  • ausschweifende Bewegungen zum Abbau überschüssiger Energie.
Mehr erfahren: Das Spielverhalten bei Hunden

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3.) „Rüden besteigen ständig andere Hunde“

Wie das Markieren hat auch das Besteigen von anderen Hunden mit der Erziehung zu tun. Davon abgesehen ist Besteigen und Bespringen oft nicht alleine sexuell motiviert. Sehr häufig ist Stress, Imponiergehabe oder auch Unsicherheit die eigentliche Ursache. Aber es kann auch Teil eines harmlosen Spieles sein und ebenso können Hündinnen dieses Verhalten zeigen.

Das Aufreiten ist kein besonders nettes hündisches Verhalten. Es ist allerdings noch kein Drama, wenn das ab und an passiert. Kommt es jedoch häufiger vor und nimmt der Hund kaum mehr andere Kommunikationsmöglichkeiten wahr außer das Aufreiten, sollte man eingreifen und den Hund aus der Situation herausholen.

4.) „Rüden sind weniger anhänglich und verschmust“

Silken Windsprites, Rüden wie Hündinnen, haben generell ein sanftes und feinfühliges Wesen und binden sich stark an ihre Menschen. Sie sind selten dominant oder territorial veranlagt. Meine Rüden sind sehr verschmust und anhänglich, wollen am liebsten überall dabei sein und einfach nur gefallen. Auf die tägliche Portion Streicheleinheiten würden sie nie verzichten wollen.

Ob Silken Windsprite Hündinnen nun noch verschmuster und anhänglicher sind, kann ich nicht beurteilen. Allerdings müsste man in dem Fall wohl nicht nur Bett und Sofa mit ihnen teilen, sondern wahrscheinlich auch Bürostuhl und Badewanne.

Eher vom Charakter als vom Geschlecht ist es abhängig, ob ein Hund während dem Spaziergang lieber ganz in der Nähe bleibt oder auf der Suche nach Abenteuern ist, weit vorausläuft oder gerne mal kurz im Wald verschwindet. In jedem Fall ist hier Erziehung gefragt und mit spannender Beschäftigung kann man spielerisch die Aufmerksamkeit schulen.

5.) „Rüden haben ständig Liebeskummer“

Ein Rüde ist das ganze Jahr an Hündinnen interessiert. Wenn in der direkten Nachbarschaft eine Hündin läufig wird, macht sich das oft am Verhalten des Rüden bemerkbar. Wie stark er jedoch reagiert, ist sehr individuell. Manch einer weiß ganz genau, dass sich die tatsächlich interessante Zeit, also die fruchtbare Phase der Hündin (Stehtage), nur auf wenige Tage beschränkt. Die restliche Zeit lässt ihn relativ kalt.

In extremen Fällen von Liebeskummer ist der Rüde unruhig, sucht nach seiner Liebsten, weint, winselt und frisst nicht. Solch extremen Liebeskummer habe ich bisher nur erlebt, wenn Hündinnen in den Stehtagen zum Decken bei uns Zuhause waren: Während der glückliche Auserwählte relativ entspannt ist, plagt den „Unglücklichen“ für einige Tage der Liebeskummer.

Homöophatische Behandlung

Um den Geschlechtstrieb des Rüden und dadurch akute Fälle von Liebeskummer zu mildern, wird das homöopathische Mittel Agnus Castus D6 empfohlen. Täglich 3x 5 Globuli, bei zu geringem Effekt kann man noch Gelsemium D6 dazugeben, täglich 3x 5 Globuli.

Wenn man die jeweilige Hündin kennt, kann man den Besitzer bitten ihr Chlorophyll-Tabletten zu geben, diese sollen den Körpergeruch während der Läufigkeit abschwächen.

Chemische Kastration

Der Kastrationschip ist ein Implantat, das dem Rüden ohne Narkose unter die Haut injiziert wird, ähnlich wie der Transponder-Chip. Es gibt zwei Varianten, die mindestens 6 bzw. 12 Monate lang wirken sollen. Das im Implantat enthaltene Deslorelin, das ständig in kleinen Mengen freigesetzt wird, übersättigt bestimmte Rezeptoren. Der Körper erhält so das Signal, dass ausreichend Geschlechtshormone vorhanden sind und stellt die eigene Produktion ein: Der Testosteronspiegel sinkt, Libido und die Fortpflanzungsfähigkeit werden herabgesetzt.

Operative Kastration

Abgesehen von einer seltenen medizinischen Indikation ist anhaltender Stress durch läufige Hündinnen der Hauptgrund, warum Silken Windsprite Rüden kastriert werden. Die Kastration ist ein drastischer Eingriff  und sollte wohlüberlegt werden. Nicht nur, weil Sexualhormone nicht alleine in den Hoden gebildet werden. So kann ein kastrierter Rüde das gleiche Verhalten zeigen wie ein intakter. Außerdem bringt jede Operation, auch wenn sie als Routineeingriff gilt, unerwünschte Nebenwirkungen mit sich, wie Schmerzen und Wundheilungsstörungen und nicht zu vergessen das Risiko, dass der Hund nicht mehr aus der Narkose erwacht.

Selbst bei Kryptoriden muss der normal gelagerte Hoden in der Regel nicht entfernt werden, ein Unfruchtbar-machen durch Sterilisation (Durchtrennung der Samenleiter) ist möglich.

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Tatsächliche „Nachteile“ bei der Rüdenhaltung

Pipi lecken

Das typische Pipi-lecken, „schnattern“, schmatzen und sabbern eines Rüden ist nicht gerade appetitlich. Doch warum macht der Rüde das überhaupt? Wie viele andere Tiere auch, besitzen Hunde ein zweites Riechorgan, das Jacobsonsche Organ, das wie ein hauseigenes Analyselabor funktioniert. Durch das schnattern und aufschäumen werden Partikel des aufgenommenen Urins gebunden und in das Jacobsonsche Organ transportiert. Dort kann der Rüde die enthaltenen Pheromone analysieren und erhält so Informationen über den Hormonstatus, das Geschlecht den Gesundheitszustand und das Befinden des anderen Hundes. Ein interessierter Rüde möchte natürlich genau wissen, wer sich da in „seinem Revier“ herumtreibt und wird seinerseits eine neue Botschaft hinterlassen.

Dieses Verhalten ist ganz normal und natürlich für einen intakten Rüden. Dennoch kann man darauf achten, dass er es nicht übertreibt, indem man ihn an die Leine nimmt und weitergeht oder mittels Körpersprache von der Stelle wegdrängt, denn extrem übertriebenes Pipi-lecken kann zu Magen-Darm-Problemen führen.

Noch mehr Urin: Das Problem mit dem Pinkeln

Ein Rüde markiert gerne und viel. Dabei steigt ihm oftmals schon der nächste, interessante Duft in seine Nase und weil Rüden nicht Multi-Tasking-fähig sind, ist es passiert: Er hat sich selbst angepinkelt. Bauch, Rückseite der Vorderbeine und Pfoten sind nass, gelb und stinken. BÄH! Eigentlich sind Hunde recht reinlich und putzen sich selbst, aber man kann auch mit einem nassen Lappen nachhelfen oder die betroffenen Stellen mit klarem Wasser abduschen. Für hartnäckige Flecken und Geruch im Fell gibt es sogar spezielles Trockenshampoo*.

Das „Pipi-Problem“ multipliziert sich natürlich mit mehreren Rüden. Auch unschön, wenn sie gleichzeitig eine tolle Markier-Stelle entdeckt haben und einer schon pinkelt, während der andere noch schnüffelt. Da gibt es schon mal eine kleine Dusche.

Ja, diese ganze Urin-Geschichte ist nicht besonders toll. Doch wer sich einen Hund anschafft, sollte sich keine Illusionen machen; verstärktes Putzen und Waschen gehört einfach dazu wie das Füttern und Gassi-gehen. Der Welpe ist noch nicht komplett stubenrein, im Alter kann sich Inkontinenz entwickeln und auch nächtlicher Durchfall oder Erbrochenes auf dem hellen Teppich gehören zum Leben mit Hund dazu. Nicht zu vergessen das „einparfümieren“ auf dem frischen Gülle-Acker, das Fressen von Kot und ähnliches. All das können Hündinnen genauso gut. Da ist mir ein bisschen Pipi im Fell noch das liebste.

„Vorteile“ eines Rüden

Natürliche Auslastung

Das ausgiebige schnuppern und markieren gehört zum natürlichen Verhalten eines Rüden einfach dazu. Es ist eine Art Sozialverhalten und geistige Auslastung während des normalen Spaziergangs. Manche nennen das „Zeitung-lesen für Hunde“: Auf einer stark frequentierten Gassi-Strecke hat ein Rüde mit all seinen Sinnen wahnsinnig viel zu entdecken und zu erledigen. Dabei kommt er voll auf seine Kosten und kann nachher selig schlummern, ohne Stunden durch den Wald gelaufen zu sein.

Rüden werden niemals läufig.

Das ist natürlich keine Überraschung. So muss ein Rüdenbesitzer nicht zweimal im Jahr für mehrere Wochen ganz besonders auf seinen Hund achten, mögliche Verschmutzung im Haus hinnehmen, hochfrequentierte Gassi-Strecken meiden, usw. Es gibt keine Scheinträchtigkeit, kein Hundeplatzverbot und keine Rüden, die plötzlich vor der Haustür stehen. Hündinnenbesitzer müssen rund um die Läufigkeit noch auf einiges mehr achten, das Rüdenbesitzern gar nicht erst in den Sinn kommt – wie der richtige Zeitpunkt für Impfungen und Gesundheitsuntersuchungen oder Badeverbot.

Rüden haaren weniger

Während Hündinnen, zusätzlich zum saisonalen Fellwechsel,  1 – 2 mal im Jahr während der Läufigkeit stark abhaaren, bekommen Rüden meist über die Jahre immer mehr und dichteres Fell.

Ein Welpe vom eigenen Hund

Cooper, 9 Wochen, mit Papa Merlin

Ein kleiner süßer Welpe vom eigenen Hund, das ist für viele ein Traum. Oft nicht direkt zur Anschaffung,  sondern erst nach ein paar Jahren. Wer sich diesen Traum erfüllen und seriös mit seiner Hündin züchten möchte, für den gibt es nicht nur im Vorfeld viele Voraussetzungen zu erfüllen. Der eigenen Hündin eine Schwangerschaft und Geburt mit all ihren natürlichen Risiken zuzumuten und Welpen sorgfältig aufzuziehen, bestmöglich auf ihr zukünftiges Leben vorzubereiten, viel Zeit, Arbeit, Geld und Energie zu investieren – all das ist nicht jedermanns Sache. Abgesehen von der Sorge und Trauer, wenn etwas mit den Welpen nicht ok ist und dem Herzschmerz, wenn man sie nach 9 oder 10 intensiven Wochen abgibt.

Ich glaube nicht, dass ich das könnte und habe großen Respekt vor den Züchtern, die das so sorgfältig und mit großer Hingabe leisten. Dennoch musste ich nicht auf einen lang erträumten Welpen von meinem Hund verzichten: Denn Merlin und Calisto sind angekörte Deckrüden und schon vielfache Papas.

Jederzeit würde ich mich wieder für einen (oder drei) Rüden entscheiden!

Wie kannst Du für Dich nun wählen, ob Rüde oder Hündin?

Wenn Du nicht so recht entscheiden kannst, dann fokussiere Dich einfach auf den Charakter Deines Traum-Welpen, anstatt auf das Geschlecht. Ein guter Züchter kennt seine Welpen und kann einschätzen, wie sie sich vom Wesen her entwickeln. Gemeinsam könnt ihr dann auswählen, welcher Welpe am besten zu Dir und Deiner Lebenssituation passt.


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3 Kommentare

  • Liebe Maike , ist super geschrieben , genauso sehe ich es auch mit unseren 2 Rüden . Wir hatten vorher auch Hündinnen , würde mich aber jederzeit wieder für Rüden entscheiden .Sie sind einfach anhänglich , gut händelbar und wahnsinnig verschmust 🙂

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  • Liebe Maike,
    ein wirklich informativer, aktueller und wichtiger Artikel. Ich bin stolze Besitzerin zweier intakter Windsprite Jungs. Ich würde mich immer wieder für Rüden entscheiden, sie sind einfach toll. Pipi-lecken ist natürlich auch bei uns ein Thema und stört mich grundsätzlich deshalb, weil es den Jungs nicht gut tut, wie Du auch geschrieben hast. Ich finde es so schade, wenn so tolle Rüden Welpen gepostet werden, die noch keinen neuen Besitzer gefunden haben.Ich denke dann immer, ihr wisst gar nicht, was euch entgeht.Ansonsten hast Du wirklich alles angesprochen, was es gibt und super toll finde ich dann auch immer Deine Tipps. Grandios! Toller Artikel.

    Vielen Dank für Dein Engagement
    Lieben Gruß
    Heike Haake

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  • Ich bin ganz deiner Meinung, habe hier 4 Rüden, die bis vor kurzem unlautrerer waren und dennoch friedlich miteinander lebten und leben. Seit meine kleine Silken Dame dazu kam war es an manchen Tag Schluss mit der ruhigen Herrenrunde. Madame mischt die Jungs oft auf und hat hier das Zepter fest in der Hand. Wollte ich nicht züchten hätte ich meine Männer WG nie durchmischt. Rüdenhaltung ist so wunderbar einfach wenn man die Regeln klar aufstellt.

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